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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Beweggründe für den Eintritt in die KPF

Prof. Dr. Hermann Klenner, Luisa Mayer, Prof. Dr. Gregor Schirmer, Reihan Balkhi, Nikos Richter

Im Ergebnis der Bundeskonferenz vom 18. April 2021 wandte sich der Bundessprecherrat in einem offenen Brief an Genossinnen und Genossen der Partei DIE LINKE, die mit den von der KPF vertretenen Positionen übereinstimmen oder ihnen nahestehen.(1) Nicht zuletzt infolge dieses offenen Briefes haben wir im Jahr 2021 bis heute 60 Eintritte in die KPF zu verzeichnen. Unsere Verluste in diesem Zeitraum betragen 13, fast ausschließlich durch Tod. Diese Ergebnisse der Mitgliedergewinnung zeigen, dass unsere im offenen Brief verwandten Argumente nicht ohne Wirkung blieben.

Die nachfolgenden fünf Erklärungen widerspiegeln nicht nur Motive für den Eintritt in die KPF. Sie stehen auch stellvertretend dafür, dass es junge und alte Genossinnen und Genossen sind, die zu uns kamen und kommen – aus Ost und West –, langjährige Parteimitglieder und solche, die zeitgleich mit ihrem Eintritt oder Wiedereintritt in die LINKE ihre Mitgliedschaft zur KPF erklärt haben. Eine besondere Ehre ist es für uns, dass Prof. Dr. Hermann Klenner und Prof. Dr. Gregor Schirmer in die KPF eintraten.

Jetzt gilt es zweierlei zu gewährleisten: Zum einen müssen alle neu in die Plattform Eintretenden ihren Kontakt zu den zuständigen Landessprecherräten finden können. Zum anderen dürfen wir gerade jetzt nicht nachlassen, weitere Genossinnen und Genossen für die KPF zu gewinnen, damit unsere inhaltlichen Positionen intensiver als bisher in der Basis der Partei verankert sind.

Bundessprecherrat, 18. Oktober 2021

Prof. Dr. Hermann Klenner, Berlin

Auf die April-Bitte des KPF-Bundessprecherrates an diejenigen Parteimitglieder der LINKEN, die mit den von der KPF vertretenen Positionen übereinstimmen, sich zu überlegen, ob sie nicht die Reihen der KPF stärken wollen, indem sie ihr beitreten, hat es für mich nur ein sofortiges »Was sonst?« gegeben.

Im Januar 1946 bin ich als Bauarbeiter in die SPD eingetreten, wissend und wollend, dass sie sich bald mit der KPD vereinigen wird. Nach der sogenannten Wende hatte ich vergeblich gehofft, dass die westdeutsche DKP und die ostdeutsche SED ein Ganzes bilden werden, und später, dass das Marxistische Forum sich mit der KPF zusammenschließt.

In den vergangenen Jahren habe ich auf Bitten des Sprecherrates der KPF vor deren Mitgliedern einige wissenschaftspolitische Vorträge gehalten, auch etliche Artikel für die »Mitteilungen der KPF« verfasst, unter anderem über den Krimkonflikt, über Terrorismusverdacht und Bürgerrechte sowie über Demokratische versus Autoritäre Regime.

Meine Teilnahmen an Versammlungen der KPF sowie die monatliche Lektüre der »Mitteilungen« haben mich überzeugt, dass keine Gruppierung der LINKS-Partei so eindeutig antifaschistisch und antikapitalistisch in Wort und Tat auftritt wie die KPF. Da deren Ursachenanalyse für das soziale Elend in dieser Welt wie für die Überführung des Kalten Krieges in Heiße Kriege seit Jahrzehnten nebst Aufrüstungsorgien ohne Ende mit meinen eigenen friedenspolitischen wie demokratischen und menschenrechtlichen Überzeugungen übereinstimmt, sie auch vielfältig bereichert, ist mein Beitritt in die KPF unausweichlich.

Luisa Mayer, Kronach / Berlin

Politisiert wurde ich durch die Umstände in meinem Umfeld, täglich wurden mir die sozialen Probleme in unserer Gesellschaft vor Augen geführt. Zudem haben mich Geschichten meiner Großeltern, die in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit aufgewachsen sind, sehr geprägt. Mein Großvater erzählte mir immer wieder, dass Faschismus und Krieg das Schlimmste sind, was man erleben könnte, und wir alles tun müssen, damit sich das nicht wiederholt. Ich wollte politisch aktiv werden, für soziale Gerechtigkeit, gegen rechts und für eine konsequente Friedenspolitik, deshalb trat ich 2019 mit 17 Jahren in die LINKE ein, die einzige Partei, mit der sich der Kampf für diese Werte führen lässt.

Schließlich habe ich angefangen, mich mit marxistischer Theorie auseinanderzusetzen, das entweder allein oder gemeinsam in Lesekreisen mit den Genoss*innen in der Linksjugend ['solid]. Dadurch wurde mir die Sozialdemokratisierung und das Abweichen von den Positionen, für die ich in die LINKE eingetreten bin, immer bewusster. Besonders zeigte sich dies im Wahlkampf durch die Aussagen unserer Funktionär*innen, die von Opportunismus getrieben unsere Positionen aufgeben wollten, nur um gemeinsam mit kapitalistischen Parteien wie der SPD und den Grünen zu regieren.

Dass genau dieses Vorgehen nicht funktioniert hat, haben wir ja alle an den desaströsen Wahlergebnissen gesehen. Die LINKE muss sich von dem Weg in Richtung politische Mitte abkehren und wieder Partei des wissenschaftlichen Sozialismus werden. Dafür braucht es ein Korrektiv innerhalb der Partei, und da hat die KPF das beste Potential. Deshalb bin ich Mitglied geworden und hoffe darauf, dass viele junge und gleichgesinnte Genoss*innen dazu kommen.

Prof. Dr. Gregor Schirmer, Berlin

Ich bin, aus einer Arbeiterfamilie kommend, 1950 in Nürnberg aus tiefer marxistisch-leninistischer Überzeugung in die (westdeutsche) KPD eingetreten und bis zum heutigen Tag Kommunist geblieben. Und ich werde es bis zu meinem Ende bleiben. Gerade als Völkerrechtler ist mir bewusst, dass es hier und heute vor allem darum geht, einen weltumfassenden Krieg, der ein atomarer wäre, zu verhindern. Ich habe immer mit all jenen in der PDS und später der LINKEN darum gekämpft, dass unsere Partei ihre friedenspolitischen Grundsätze bewahrt. Vor allem war ich im Marxistischen Form aktiv. Aus Gründen, deren Berechtigung, ich dahingestellt sein lassen will, habe ich aber die offizielle Mitgliedschaft in der KPF vermieden aber von Anfang an nach Kräften mit der KPF nicht nur »sympathisiert«. Der offene Brief des Bundessprecherrates vom 22. April 2021 hat mir den letzten Schubser für die Bitte gegeben, mich als offizielles Mitglied der KPF zu behandeln.

Reihan Balkhi, Mainz (2)

Erstmals imponierte mir die Haltung der Linken 2009: »Raus aus Afghanistan«, stand da auf den Plakaten zur Bundestagswahl. Von den sichtbaren Parteien nannte nur DIE LINKE Armut ebenso beim Namen wie die Kriege der USA und ihrer Verbündeten. 2013, mittlerweile wahlberechtigt, folgte die Mitgliedschaft: Zwei Kreuze am Wahltag wirkten nichtig angesichts der Verwahrlosung, die sich im Inneren in der Menge an Pfandsammlern und Tafelgängern ausdrückte und im Äußeren in der verbrannten Erde, die die imperialistischen Feldzüge hinterließen.

Der Beitritt zur Kommunistischen Plattform fällt nun in das Jahr, in dem nicht mehr geringe Teile der Partei das Märchen von der humanitären Intervention verteidigen. Die Aufklärung über den Zusammenhang von Krieg und Kapitalismus ist immer leiser geworden. Gerade auch angesichts der desolaten Lage Afghanistans ist außerdem die ständige De-legitimierung des sozialistischen Weltsystems durch viele Funktionäre erschütternd. Der Sozialismus brachte einen Afghanen ins All, der Imperialismus bringt Afghanen nur ins Grab. Bisweilen scheint es, DIE LINKE verachte ersteren mehr als letztere.

Dabei reichen die politischen Wurzeln der Partei bis zu den Anfängen der deutschen Arbeiterbewegung. Die KPF ist einer der wenigen innerparteilichen Zusammenhänge, in denen das spürbar ist. In den »Mitteilungen« widersetzt sie sich durch Darstellungen historischer Zusammenhänge, Einordnungen tagespolitischer Ereignisse und kulturelle Beiträge dem Vergessen des historischen Erbes der Arbeiterbewegung. Ihr Bezug ist der Orientierung und Weiterbildung sehr dienlich.

Nikos Richter, Chemnitz

Als ich 2015 im Alter von 17 Jahren in DIE LINKE eingetreten bin, hatte ich dafür klare Beweggründe. Die erstarkenden rassistischen PEGIDA-Proteste, die immer größer werdende Schere zwischen arm und reich, die Profite, die dieses Land mit Krieg erwirtschaftet – gegen alle diese Übel wollte ich mich einsetzen, und schnell wurde mir klar, dass DIE LINKE die einzige im Bundestag vertretene Partei ist, mit der sich dieser Kampf wirklich führen lässt.

In den letzten Jahren aber musste ich feststellen, wie die Partei zunehmend an Potenzial für das erfolgreiche Führen dieser Kämpfe verliert. Das Studium marxistischer Schriften – sowohl allein wie auch im Kreis mit Genoss*innen – hat einen Reflexionsprozess in mir ausgelöst, der mir die Probleme der Partei immer deutlicher vor Augen geführt hat. Wir befinden uns auf dem Weg in die politische Mitte. Seit Jahren wird von Schlüsselfiguren der Partei ein Prozess der Sozialdemokratisierung vorangetrieben, der mit dem Wesen einer sozialistischen Partei unvereinbar ist.

Die Mehrheit der Wahlen seit der Einleitung dieses Prozesses hat DIE LINKE verloren – es geht abwärts. Das hält seine Verfechter*innen jedoch nicht davon ab, immer dreistere Vorstöße gegen Markenkerne unserer Partei zu machen, wie das bspw. im Januar dieses Jahres mit Matthias Höhns »Diskussionsangebot zu linker Sicherheitspolitik« geschehen ist.

Aus meiner Sicht scheint die KPF das beste Potenzial für ein korrigierendes Intervenieren in die Abwärtsspirale unserer Partei zu haben. Je mehr aktive und motivierte Genoss*innen sich in ihr zusammenfinden, desto größer dieses Potenzial. Dafür bin ich hier.

Anmerkungen

(1) Siehe Mai-Heft der Mitteilungen

(2)Name und Ort auf Wunsch des Mitglieds geändert, liegt der Redaktion vor

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