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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

»Warten wir die Zukunft ab«

Jochen Traut

 

»Warten wir die Zukunft ab«, unter dem Titel seines Buches hatte die Thüringer Kommunistische Plattform Hartmut König – er war Mitbegründer des Oktoberklubs, langjähriger Jugendfunktionär und stellvertretender Kulturminister der DDR – am Vorabend des »Tages der Befreiung« zu einer Lesung aus seiner Autobiografie und zum Singen bekannter und neuer politischer Lieder am 7. Mai 2019 in das »Café Nerly« in Erfurt, Marktstraße 6, eingeladen. Zwei Stunden Lesung und Gesang waren für die Teilnehmer viel zu schnell vergangen. Mit viel Beifall wurde eine aktuelle letzte Strophe seines bekannten Liedes »Sag mir, wo du stehst« bedacht:

»Und denk nicht, es reicht schon, die Nazis zu hassen.
Das bisschen Spucke tut denen nicht weh.
Versperr ihnen Parlamente und Straßen!
Und wo sie sich breitmachen wollen, da steh!
Sag mir, wo du stehst
und welchen Weg du gehst!«

Auf der Rückseite der aktuellen CD »Hartmut König, Sag mir, wo du stehst: Alte & neue Songs« befindet sich folgender Text von Hartmut König: »Triffst du heute sangesfreudige Ostleute, die ihre DDRErinnerungen nicht durchs Klo gespült haben, und einer greift zur Klampfe, dann sind bei den meisten noch die alten Texte da, und die ewigen zweiten Stimmen mischen sich so wie gestern in den Gesang. Mitleidiges Lächeln, wenn Zaungäste des Okzidents das ostalgisch finden.«

Es ist das Persönliche, zu Vergangenheit und Gegenwart. So empfanden dies auch die Teil¬nehmer der Veranstaltung. Sie wurde abgeschlossen mit dem Vorlesen der letzten Zeilen aus seinem Buch (Seite 545): »Denn wie die Welt ist, kann und wird sie nicht bleiben. Irgendwann setzt das Gespenst (Das Kommunistische Manifest) zur Landung an, weiß nicht, wie und wo zuerst. ›Träum weiter‹, lästert unverdaute jüngere Erfahrung. Aber den Spott hat sie umsonst. ›Warten wir die Zukunft ab!‹, fauche ich meine Skepsis an. ›Die Welt wird es schon noch sehen‹. Ich, leider, werde es nicht sehen. Ich darf ja keine Gestalten auf meiner liebsten Grafik sein: Inmitten der Grabsteine eines jüdischen Friedhofs steht ein Baum. Die toten Herren sind aus den Gruben aufgefahren, sitzen in den Zweigen und beobachten die Zeit. Das wär's doch! Ewig die Zukunft besichtigen! Aber mir Atheisten ist das verwehrt. Schade, bei so viel Neugier und Vorfreude!«

Manches Buch und manche CD wechselte nach der Veranstaltung den Besitzer, und die Buchhändlerin sagte: »Ich war froh, hier zu sein, so etwas hört man selten.«

 

Mehr von Jochen Traut in den »Mitteilungen«: 

2016-12: Zwei Initiativanträge (Archiv)

2015-07: Wer bestimmt eigentlich die Politik der Partei?

2014-12: Wir müssen dazu Position beziehen (Archiv)

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