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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Thälmanns Leben und Kämpfen war der Erhaltung des Friedens gewidmet

Friedrich Rabe, Altenweddingen

 

Liebe Genossinnen und Genossen, unsere jährlichen Treffen, mit denen wir der Ermordung Thälmanns am 18. August 1944 im KZ Buchenwald gedenken, belegen, daß Geschichte ein Prozeß ist, der sich in unterschiedlichen Formen vollzieht, der für die Masse der arbeitenden Menschen bessere oder schlechtere Bedingungen bietet, der aber immer von ihnen mitgestaltet wird. Das ist die Grundlage materialistischer Geschichtsdialektik, auf der auch Ernst Thälmann stand, aus der er die Kraft schöpfte, 12 Jahre faschistischer Haft zu durchleben und nicht gebrochen zu werden.

Diese Dialektik ist eine theoretische Grundlage, die nicht in der Theorie verhaftet bleibt, also nicht nur Utopie oder schöngeistige Intellektualität wird, sondern in das praktische Leben drängt, um es menschenwürdiger, humaner gestalten zu können. Sie ermöglichte ihm nicht nur zu folgern, was eine faschistische Diktatur bedeuten würde, sondern auch zu erkennen, worin die Wurzeln einer solchen Diktatur zu finden sind, nämlich in einer gewaltigen Konzentration der Lebensgrundlagen ganzer Gesellschaften in den Händen einer kleinen Oligarchie, die damit das Leben aller Übrigen in ihren Händen hält.

Solche Privilegien zu verteidigen, schreckt diese vor keinem Verbrechen zurück, auch nicht vor dem einer faschistischen Diktatur.

Heute versuchen uns bürgerliche Ideologen, auch manche, die sich selbst für "Linke" halten, weis zu machen, daß das eine idealistische Verirrung gewesen sei, die aus dem kranken Hirn eines Adolf Hitler erwachsen wäre. – Gab es nicht mindestens einen Mussolini? Gab es nicht auch in Frankreich und Großbritannien faschistische Tendenzen? Sollten diese alle per Telepathie übertragen worden sein?

Als materialistischer Dialektiker wußte Thälmann, daß Ideen keine göttlichen Eingebungen sind, sondern aus ganz materiellen Bedingungen erwachsen, in diesem Fall eben aus imperialen Bedingungen, die die Welt einer kleinen Herrschaftsschicht unterwerfen müssen, um die eigenen Privilegien zu sichern.

Deshalb stand Thälmann auf der theoretischen Grundlage des VII. Weltkongresses und der Brüsseler Konferenz. Für unsere jüngeren Genossen und interessierten Teilnehmer, über deren Hiersein wir älteren uns besonders freuen, möchte ich die Definition des Faschismus noch einmal zitieren: "Faschismus ist eine konterrevolutionäre politische Bewegung, eine offen terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen und am meisten imperialistischen Gruppen des Finanzkapitals."

Heute müßte man vielleicht noch hinzufügen, wie die Medienmacht monopolisiert wurde, um massenhaft zu manipulieren. Was uns wichtig sein sollte, ist der Kern der Aussage, daß Faschismus die bisher extremste politische Ausdrucksform kapitalistischer Herrschaft darstellt.

Wir könnten ruhiger leben, mehrten sich nicht die Zeichen, die die Rückkehr faschistischer Gefahren signalisieren.

20 Jahre nach unserer Niederlage, der erneuten Alleinherrschaft des Kapitals in Deutschland sitzen neofaschistische Parteien wieder in Parlamenten, überlegen sich Bürger, ob sie gegen chauvinistische Parolen öffentlich auftreten, sind Kleinbürger wieder der Meinung, man brauche nur eine starke "Führung", um weiter auf Kosten des Restes der Welt und der Masse der arbeitenden Menschen leben zu können.

Nur 10 Jahre hat es gedauert, bis der durch die Existenz der DDR erzwingende Konsens "Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen" verlassen wurde und die BRD mit dem Jugoslawienkrieg als Aggressor auf den Schlachtfeldern dieser Welt bis zum Hindukusch wieder präsent ist.

Genossinnen und Genossen, ich glaube, es ist nicht nur Nostalgie, wenn mir dabei die Zeilen der DDR-Hymne von Becher in den Sinn kommen, in denen es heißt: "… laßt das Licht des Friedens scheinen, daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint."

Wie viele Mütter in Afghanistan, dem ehemaligen Jugoslawien, dem Irak, fast in allen Teilen der Welt, auch wieder in Deutschland, weinen mittlerweile um Söhne und Töchter, die als Söldner des Kapitals oder im Kampf gegen sie gefallen sind?

Thälmanns Leben und Kämpfen war der Erhaltung des Friedens gewidmet. Er wußte, daß dafür die gesellschaftlichen Grundlagen geändert werden mußten. Seine politischen und praktischen Mörder glaubten, mit ihm auch dieses Denken liquidieren zu können.

Wir alle, die wir heute hier sind, beweisen, daß das ein verbrecherischer Irrtum war und ist. Zu meinen Ausgangsgedanken zurückkommend möchte ich sagen, geschichtliches Denken – ob menschenfeindlich oder human – formt sich in Hirnen und Herzen von Menschen, erwächst aber aus den Bedingungen, unter denen Menschen vegetieren oder leben. Weil wir das wissen, wollen wir die Verhältnisse menschlich verändern.

Weil das so ist, konnten sie Thälmann ermorden – aber nicht den Kampf um den Frieden und Verhältnisse, die Frieden erst möglich machen.

Weil das so ist, werden abhängig Beschäftigte, die man früher "Knechte" nannte, aufstehen, bis der Mensch kein geknechtetes, kein entrechtetes Wesen mehr ist.

Und deshalb ist unser heutiges Gedenken nicht rückwärts gewandt nostalgisch, sondern Teil unseres Kampfes für eine friedliche Welt.

 

Mehr von Friedrich Rabe in den »Mitteilungen«: 

2009-07: Anmerkungen zu den Kommunalwahlen

2008-09: Rede 2008 zum Thälmanngedenken

2008-05: Bericht des Bundessprecherrates …