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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Robert Redford zum 90. Geburtstag – eine Hommage

Gina Pietsch, Berlin

 

Rebel Without A Cause

 

Nein, das war er nicht, das war James Dean in »Denn sie wissen nicht, was sie tun«. Robert Redford hatte früh Gründe, im Herzen ein Rebell zu sein und später mit allem, was ihm an Kraft, Geist und Talent zur Verfügung stand. Als junger Sportler hatte er was gegen die Reichen, gegen den american way of life, gegen die Kriege in Korea und Vietnam, gegen die Zerstörung der Umwelt und der Kultur der Indianer, gegen die verbrecherische Politik der israelischen Regierung, Palästina betreffend.

Am 18. August 1936 wurde er geboren in Santa Monica, Kalifornien, zählt dann dreißig Jahre später zu den populärsten Hollywoodschauspielern, Regisseuren und Produzenten und wird vierzig später zum kassenträchtigsten Filmstar. Nun, am 16. September 2025 haben wir ihn verloren. Aber – wir alle kennen ihn aus Der Clou, Die Unbestechlichen, Der Pferdeflüsterer oder Jenseits von Afrika. In achtundvierzig Filmen konnte man ihn als Schauspieler erleben, über 60 Jahre, in neun als Regisseur und noch mal so vielen als Produzent. Nimmt man den Gründer des seit 1984 alljährlich laufenden Sundance Film Festival, das Independent-Regisseuren, die als Filmemacher nicht den Massengeschmack bedienen wollen, sondern an künstlerisch anspruchsvollen Filmen interessiert sind, ein Podium bietet, hinzu und seine Aktivitäten als Umweltschützer und Anwalt der Indianer im Kampf um den Erhalt ihrer Kultur, dann kann man nur von gewaltigen Leistungen sprechen, die neben dem Ehrenoscar für sein Lebenswerk die vielen weiteren Auszeichnungen in aller Welt rechtfertigen. 

Nicht mein Krieg

Robert Redford, von allen Bob genannt, ist der Sohn von Martha und Charles Robert Redford und wuchs mit seinem Halbbruder William in einfachen Verhältnissen auf. Der Vater kämpfte mit zwei Jobs für den Unterhalt der Familie, morgens Milchmann, nachmittags Buchhalter, immer schlechte Laune, der Onkel stand Bob näher, wurde allerdings im Krieg getötet. Dabei kamen mit diesem II. Weltkrieg nun die besseren Zeiten für Amerika. Es gab wieder Arbeit, die Armen sahen wieder Land, die Reichen wurden noch reicher. In Van Nuys, seinem Heimatort, ist von all dem wenig zu spüren. So beschreibt er es: Van Nuys ist ein kulturelles Schlammloch. Keine Aufregung, keine Herausforderung keine Romanzen, nichts. Mit einem Wort: langweilig. Eine Drohung stand freilich im Raum, als Soldat nach Korea geschickt zu werden. Aber: Korea war nicht mein Krieg, ich konnte mich nicht damit identifizieren. Weder damals mit Korea noch später mit Vietnam.

10 Jahre danach erhielt Bob aufgrund seines Talents im Baseball ein Stipendium der University of Colorado Boulder. Freilich hielt das Glück nicht lange an. 1955 starb seine von ihm sehr geliebte Mutter, woraufhin seine sportlichen und schulischen Leistungen stark zurückgingen, was schließlich – Alkoholmissbrauch kam hinzu – zum Verlust seines Stipendiums führte. Nun versucht er alles Mögliche, kleine Jobs auf Ölfeldern, Straßenmalen in Paris und Florenz, alles erfolglos. So fährt er wieder heim und findet die Liebe. Die heißt Lola van Wagenen, wird seine erste Ehefrau und unterstützt seine Freunde, die meinten, Bob mit seinem Aussehen hätte das Zeug zum Schauspieler. Die große Zeitungsanzeige der American Academy of Dramatic Art tat das Übrige, so sprach er dort vor, und es klappte. Mit Spencer Tracy wurde er verglichen und so gibt es denn kleine Rollen am Broadway und in unerheblichen Fernsehserien. Während er am Theater doch bald große Erfolge feierte, kam seine Filmkarriere nur schwer in Gang. 1967 aber machte Redford zusammen mit Jane Fonda, die eine lebenslange Freundin wird, in Barfuß im Park erstmals ein größeres Kinopublikum auf sich aufmerksam. Zwei Jahre später wurde er mit Butch Cassidy und Sundance Kid, also mit Paul Newman zusammen, zum Superstar. Der Film traf den liberalen Zeitgeist der späten 1960er Jahre und zeigte die beiden Zug- und Bankräuber Butch und Sundance als sympathische, fast hippiehafte Antihelden, die schließlich von einem riesigen Polizeiaufgebot zusammengeschossen werden. Der Film wurde zu einem der größten Kassenerfolge der späten 1960er Jahre und festigte bei einem weltweiten Publikum Redfords Image als Frauenschwarm und romantischer Held. Mit Paul Newman blieb er zeitlebens eng befreundet, wozu 1973 in reichlichem Maße ihre nächste Zusammenarbeit beitrug, Der Clou, der den Status als einer der erfolgreichsten Filme der 1970er Jahre – und Redford für den Trickbetrüger Hooker seine einzige Oscar-Nominierung als Schauspieler – erhielt.

Indianer und Umwelt

Der Schauspieler steht dem Film-Establishment in Hollywood von jeher skeptisch gegenüber, gehört nie zu deren Schickeria, führt ein zurückgezogenes Privatleben und lebt vorwiegend in der Gegend, aus der seine erste Ehefrau Lola van Wagenen herstammt, in Utah. Einen linksliberalen Naturliebhaber kann man ihn nennen, der sich aktiv einsetzt für den Umweltschutz und die Rechte der indigenen Bevölkerung.

1962 startete er seine Filmkarriere mit dem künstlerisch ambitionierten Anti-Kriegsfilm War Hunt, in dem er einen Soldaten des Koreakriegs spielte. Der Film konnte sich jedoch an den Kinokassen nicht durchsetzen. Wichtigstes Ergebnis dieser Arbeit für Redford vielleicht der Beginn der lebenslangen, außerordentlich fruchtbaren Freundschaft mit dem Regisseur Sydney Pollack, der in War Hunt, deutsch Hinter feindlichen Linien, noch Schauspieler war. Die Zusammenarbeit mit Syney Pollack als Regisseur begann mit der Tennessee-Williams-Adaption Dieses Mädchen ist für alle da, gespielt von Nathalie Wood, mit der er schon zur Schule gegangen war.

Ab diesem Film brachte die gemeinsame Arbeit mit Pollack große Kinoerfolge hervor. Da gab es diesen von Pollack produzierten Western Jeremiah Johnson, der, obwohl vielleicht Bobs persönlichster Film, doch ein Riesenerfolg wurde. Es war Redfords dritter Western, aber doch von besonderer Art. Er setzte fort, was schon seit geraumer Zeit Redfords Anliegen war, die Indianer so zu zeigen, wie sie waren, erstens gespielt von wirklich indianischen Schauspielern und nicht von rothäutig geschminkten Weißen, wie das gang und gäbe war, vor allem aber durch eine realistische Darstellung indianischer Lebensweise. Nach seiner Sprecher-Rolle in Broken Treaty at Battle Mountain, einem Dokumentarfilm über den Kampf der Shoshoni-Indianer um ihre Heimat, sagte er auf einer Pressekonferenz dieses Stammes: Indianer und Umwelt gehören zusammen, die Indianer haben ein anderes Verhältnis zum Land als wir. Ich würde es vorziehen, den vollblütigen Indianer zu meiner Linken zu fragen, was er eigentlich von diesen Filmen hält, in denen Indianer als unmenschliche Wilde gezeigt werden, die nur darauf aus sind, Blut zu vergießen. In Jeremiah Johnson sind die Indianer authentisch, lebensecht und mit höchstem Respekt behandelt. Im Gegensatz zu diesem Film, der zwar ein Klassiker des Genres wurde, konnten 1973 Pollack, Redford und Barbra Streisand Kasse machen mit So wie wir waren. Gleichermaßen erfolgreich waren Redford/Pollacks große Filme Die drei Tage des Condor und Der elektrische Reiter, beide Redfordsche Lieblingsthemen behandelnd, den Kampf des Individuums für seine Rechte in einer von Konzernen und Regierungen beherrschten Welt. 

Einer der Löwen

Als herausragend von allen Pollack-Filmen muss natürlich genannt werden aus dem Jahre 1985 Jenseits von Afrika, der die beiden Großen, Meryl Streep und Robert Redford zusammenbrachte. Der Film basiert auf Karen Blixens Erinnerungen als Farmerin in Kenia und enthält Szenen wie diese: Auf der Safari wäscht er ihr das Haar, spült die Seife heraus. Aus diesem prosaischen Akt machen die beiden eine derart poetisch rührende Liebesszene, dass ich weinen musste. Ich bin sicher, dass Meryl Streep voriges Jahr auch geweint hat. Einer der Löwen ist von uns gegangen. Ruhe in Frieden, mein lieber Freund. rief sie ihm hinterher. 1990 dann kam es zur sechsten und letzten Zusammenarbeit mit Pollack, Havanna, einer Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der kubanischen Revolution. Diese war – eigentlich möchte ich sagen, logisch für Amerika – kommerziell ein Flop.

Redfords erste Filme hatten auch gefloppt, sein Durchbruch zum Kinostar kam mit Barfuß im Park und Jane Fonda. Mit ihr zusammen wurden alle Filme Erfolge, auch weil er sich eng an Redfords Arbeitsprinzip hielt, das da hieß: Wenn man einen Film mit einer starken sozialen oder politischen Aussage macht, sollte man nicht predigen, sondern humorvolle Szenen einbauen. Er hielt sich daran. Nicht immer zur Freude der Regisseure. Aber was tat’s, er war immer etwas stur, lehnte Rollen ab wie in Die Reifeprüfung für Dustin Hoffmann, die Hauptrolle in Ein Mann wird gejagt für Marlon Brando. Aber er drehte die erfolgreichsten politischen Filme in diesem Amerika, Der Kandidat 1972, und erstmals als Produzent und – unter Ablehnung des wunderbaren Einer flog übers Kuckucksnest für Jack Nicholson – 1976 All the President’s Men, deutsch Die Unbestechlichen, in dem – pure Wahrheit – zwei Reporter der Washington Post, Redford als Bob Woodward und Dustin Hoffmann als Carl Bernstein die Watergate-Affäre aufdecken und damit eine amerikanische Regierung zu Fall bringen. 

Es wäre noch viel zu erzählen über diesen Schauspieler mit einer Oscar-Nominierung, Regisseur mit einem wirklichen Oscar und Produzent, mit dem als Sexsymbol und Kassenmagneten die amerikanische Filmindustrie sehr zufrieden gewesen wäre. 

Er selber wäre es nicht, er wollte immer mehr, ein unabhängiger, kämpferischer, denkender, kritischer Geist sein. Und er hat es geschafft, besser, schafft es noch als Teilnehmer der UN-Klimakonferenz 2015, der schon zwei Jahre zuvor Obama aufforderte, aktiv zu werden durch Maßnahmen zur Treibhausgasemissionen, der nicht aufhörte, aktiv zu sein in seiner Solidarität mit den um ihre Rechte kämpfenden Indianern.

Am 18. August 2026 hätte er sein 90. Jahr gefeiert und wir hätten uns gewünscht, möge er noch lange mit uns sein.