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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Die letzten Tage der DDR – Verrat oder was?

Rechtsanwalt Dr. Friedrich Wolff, Stolzenhagen

»Wir und die Russen«, das ist ein politisches Buch ganz besonderer Art. Der Autor, ein gewesener Staatsmann, sein Staat ein Staat, der nicht mehr existiert. Krenz muss also weniger Rücksicht nehmen, die Wahrheit hat bei ihm größere Chancen, und er nutzt sie. Ein ehemaliger Bürger seines Staates wird das Buch mit Interesse, ja mit Spannung lesen.

Der Autor ist, wie man erfährt, ein – später in Ungnade gefallener – Schützling Honeckers. Er schildert ihn erst positiv, später negativ. So lernt der Leser in dem Staatsratsvorsitzenden einen Politiker kennen, der im Laufe der Jahre seine ursprünglich großen Fähigkeiten verliert und schließlich von der Zeit überholt wird. Alles ohne Häme, tragisch.

Ähnliches gilt für Gorbatschow. Hervorgehoben wird seine Intelligenz, seine ursprünglich kommunistische Überzeugung. Fraglich bleibt, ob sie ihm abhandengekommen ist.                          

Selbst für Günter Schabowski findet Egon Krenz Entschuldigungen: Angst vor Verlust der eigenen Existenz und der seiner Familie.

Das Wichtigste im Buch ist das Verhältnis zwischen der DDR und Russland. Der Buchtitel betont das. Wurde die DDR verraten? Der Leser erfährt, was dafür, aber auch, was dagegen spricht. Er erfährt ihre sich über Jahre hinziehenden Interessenkonflikte, ahnt, dass Honecker sich in seinen späten Jahren überschätzte. Faksimiles entscheidender Dokumente erhöhen die Authentizität der Darlegungen. (Allerdings muss der Leser gut sehen können). Der Autor bekennt schließlich, dass auch er nicht weiß, warum die UdSSR die DDR im Stich ließ. Dem Leser bleibt es überlassen, sich selbst ein Urteil zu bilden. Er verliert Illusionen über das Verhältnis von »Bruderländern«.

Deutlich wird auch, dass sich die Sowjetunion ebenfalls in einer schwierigen Lage befand. Die war wohl Breschnew, nicht Gorbatschow anzulasten.

Zwei Schlussfolgerungen des Autors bleiben zu benennen: Der Kalte Krieg war nie zu Ende und: Die DDR hat bewiesen, dass Sozialismus möglich ist.

Ich kann das Buch nicht genug loben. Ich halte es für das wichtigste Buch über die Ursachen des Untergangs der DDR.

Egon Krenz, Wir und die Russen, edition ost, Eulenspiegel Verlagsgruppe, 303 Seiten, 16,99 €.

 

Weiteres vom Bücherbord:

Die Ausgabe I/2019 der »Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung«, im August des Jahres im trafo Wissenschaftsverlag in Berlin erschienen und für 16 Euro (Einzelheftpreis) im Buchhandel erhältlich, enthält einen rund 80 Seiten langen biografischen Beitrag über Karl Liebknecht, einen der Gründer der KPD: Matthias John: Karl Liebknecht. 100. Todestag am 15. Januar 2019 und 150. Geburtstag am 13. August 2021. 

Mehr aus dem Inhalt:

  • Armin Jähne: Zu wem gehört die »annektierte« Krim? Eine historische Analyse.
  • Hermann Klenner: Die juristische Dimension des Krim-Konfliktes.

Das Meisterwerk Zehntausender

Ho Chi Minh verstarb am 3. September 1969. Sein Leben als Revolutionär hatte er dem Kampf gegen die Kolonisatoren Asiens gewidmet. Seit 1911 wirkte er im Exil, so in Frankreich, der Sowjetunion und China. Bei der Gründung der KP Vietnams war er führend beteiligt und als Kopf der 1941 gegründeten Việt Minh leitete er den militärischen Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes gegen die japanischen Besatzer und die mit ihnen kollaborierende französische Kolonialverwaltung Indochinas, später gegen die Aggressionen Frankreichs und der USA. Er wurde Präsident der am 2. September 1945, nach erfolgreich angeführter Augustrevolution, von ihm proklamierten Demokratischen Republik Vietnam. – Die Bezeichnung »Ho-Chi-Minh-Pfad« für ein beeindruckendes Nachschubnetz geht jedoch auf die Feinde der vietnamesischen Unabhängigkeit zurück, wie Hellmut Kapfenberger in seinem kürzlich erschienenen gleichnamigen Buch ausführt. Das Buch ist nicht nur verständlich und packend geschrieben, es bietet auch alle Fakten und einen Blick in die Geografie und die Vorgeschichte, um das Thema »verstehen, in seiner ganzen Tragweite und unbestreitbaren Legitimität begreifen« (S. 21) zu können. Im Klappentext heißt es:

»Was wäre aus Vietnam und seinen Nachbarn geworden, hätte es den Ho-Chi-Minh-Pfad zu Lande und, kaum bekannt, ab 1961 auch zu Wasser nicht gegeben?

Am 19. Mai 1959, dem 69. Geburtstag Ho Chi Minhs, wurde das Projekt der Strategischen Militärtransporttrasse Truong Son geboren. Innerhalb von 16 Jahren entwickelte sich aus den allerersten Schritten einer der entscheidenden Faktoren für die Niederlage der USA.

Hellmut Kapfenberger war zu Kriegszeiten und auch danach Korrespondent für DDR-Medien in Vietnam. Er vermittelt ein umfassendes Bild von der gigantischen militärischen Nachschubtrasse im Gebirge und dem hierzulande weitgehend unbekannten Ho-Chi-Minh-Pfad auf dem Meer. Für dieses Buch besuchte er noch einmal Vietnam und sprach mit Zeitzeugen.«

»Es ist (…) sehr zu schätzen und von großem Wert, dass ein Deutscher (…), ein Ausländer, über diese einzigartige Schöpfung der militärischen Kunst Vietnams schreibt. Das bezeugt die Wertschätzung und das Verständnis des Autors für den Widerstandskampf gegen die amerikanischen Aggressoren zur Rettung des vietnamesischen Vaterlandes.« (Generalleutnant Dong Si Nguyen, ehemals Befehlshaber der Truong-Son-Front und der Ho-Chi-Minh-Straße, im Geleitwort zum Buch)

Verlag Wiljo Heinen, Berlin und Böklund, 2019, 500 Seiten, inkl. Abbildungen, 22 Euro.

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