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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Biografisches

Prof. Dr. Hermann Klenner, Berlin im Juni 2025

 

Hermann Klenner, geboren am 5. Januar 1926 in Erbach im Odenwald als vorehelicher Sohn von Alfred Klenner und Charlotte Sattler; aufgewachsen im Waldenburger Bergland, im deutschen Dorf Adelsbach (nunmehr: Struga in Polen), Schulstr. 4, dem »Viktoriaheim« (Wohnhaus mit großem Garten nebst Ziegenstall) bei seinen Großeltern väterlicherseits, dem Zimmermann Hermann K. und der Landarbeiterin Viktoria K. (geborene Mucha mit deutscher Mutter und polnischem Vater). Besuch der Volksschule in Adelsbach. Als Zehnjähriger Übersiedlung nach der Hauptstadt Schlesiens Breslau (nunmehr: Wrocław in Polen), Grillparzerstr. 26, zu seinen Eltern: Alfred und Elisabeth K. mit ihrer Tochter Susanne, seiner Schwester. Besuch des kostenpflichtigen Gymnasiums und Realgymnasiums am Zwinger. Abitur 1944, danach Luftwaffenhelfer, Reichsarbeitsdienst und nach Musterung seit August 1944 als Rekrut bei der deutschen Wehrmacht. Ab Januar 1945 als Gefreiter und vorderster Beobachter in einer Granatwerfer-Kompagnie im Kriegseinsatz. Im April 1945 in Thalheim bei Bitterfeld in einem Straßengraben durch einen Weichteilrinnenschuss eines US-Soldaten verwundet; Verwundetenabzeichen in Schwarz der Nazi-Wehrmacht. Behelfslazarett der US-Streitkräfte in Halle an der Saale; September 1945 von der Sowjet-Armee aus der Gefangenschaft entlassen. Bau-Hilfs-, sodann Beton-Facharbeiter bei der Hallenser Firma Brinkbäumer im Buna-Werk (»Die Maurer-Ochsen, das Zimmermanns-Vieh und die Herren-Handlanger«).

Danach Studium und Staatsexamen an der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle mit einem Monatsstipendium von 100 Mark. Aspirantur an der Universität Leipzig mit Promotion sowie Habilitation. Von 1951 bis 1958 Humboldt-Universität zu Berlin als Dozent, ab 1956 als Prof. Dr. jur. habil. Lehrtätigkeit. Nach einer auf der Babelsberger Konferenz durch Walter Ulbrichts Revisionismus-Vorwurf ausgelösten Relegation (vgl. Annemarie Helmbrecht, »Professor Klenner und der Revisionismus«, in: Neues Deutschland, 26. Januar 1958) von 1958 bis 1960 als von der Gemeindevertretung gewählter Bürgermeister von Letschin im Oderbruch. Von 1960 bis 1966 als Professor an der Hochschule für Ökonomie zu Berlin. Von 1967 bis 1991 an der Akademie der Wissenschaften der DDR, zunächst als Leiter der Arbeitsstelle für Rechtswissenschaft; nach deren durch einen Revisionismus-Vorwurf des Generalstaatsanwalt Josef Streit erzwungener Auflösung als Mitarbeiter im Philosophischen Institut der DDR-Akademie, geleitet von Manfred Buhr. 1978 korrespondierendes, 1987 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR.

Nach der »Wende« ab 1990 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates des Philosophie-Instituts sowie Vorsitzender des Runden Tisches der Akademie der Wissenschaften der DDR. Emeritiert 1991 und (aus Wiedergutmachungsgründen) für drei Jahre wieder Professor an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität. Gastprofessuren in USA, Japan und Australien. 1993 Gründungs-Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin [1]. – Mitglied der Internationalen Hegel-Gesellschaft. Mitglied der Internationalen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (später deren Ehrenpräsidium zugehörig), des Herausgeberkreises der Internationalen Studien zu Recht und Staat, des Internationalen Beirates von Ratio Juris sowie des Wissenschaftlichen Beirates der Marx/Engels-Gesamtausgabe (MEGA). Nationalpreisträger der DDR; Inhaber des Menschenrechtspreises der Gesellschaft zum Schutz für Bürgerrecht und Menschenwürde; Inhaber der Hegel-, der Pufendorf- und der Jablonski-Medaille. 

Seit Mai 1948 Lebensgemeinschaft mit Annelies (geb. Schwarzer), gestorben 2000 während eines Winterurlaubs (auch mit Enkeltochter Katja) in Horni Misecky; beigesetzt in Basdorf bei Rheinsberg. Drei Söhne (Grischa [Uwe], Michael [verstorben 2003], Matthias). Seit 2009 verpartnert mit Prof. Dr. Roswitha März.

Publikationen

Klenner-Bibliographie in: Haney/Maihofer/Sprenger (ed.), Recht und Ideologie, Freiburg 1996, Bd. 1, S. 514-552; Bd. 2, Freiburg 1998, S. 352-356; ferner in: Klenner, Historisierende Rechtsphilosophie, Freiburg 2009, S. 699-702; sowie in:Klenner, Kritik am Recht, Berlin 2016, S. 425-447.

Autor von:

Formen und Bedeutung der Gesetzlichkeit, Berlin 1952

Der Marxismus-Leninismus über das Wesen des Rechts, Berlin 1954; 1955

Studien über die Grundrechte, Berlin 1964

Rechtsleere, Berlin (auch Frankfurt) 1972

Rechtsphilosophie in der Krise, Berlin 1976

Marxismus und Menschenrechte, Berlin 1982

Vom Recht der Natur zur Natur des Rechts, Berlin 1984

Deutsche Rechtsphilosophie im 19. Jahrhundert, Berlin 1991

Das wohlverstandene Interesse.Rechts- und Staatsphilosophie in der englischen Aufklärung, Köln 1998

Die Emanzipation des Bürgers. Studien zur Rechtsphilosophie der Aufklärung , Köln 2002

Die Geschichtlichkeit des Rechts. Rechtsdenken im Zeitalter der klassischen deutschen Philosophie, Köln 2003

Recht und Unrecht, Bielefeld 2004

Historisierende Rechtsphilosophie, Freiburg 2009

Kritik am Recht. Aktualisierende Rechtsphilosophie, Berlin 2016 

Recht, Rechtsstaat und Gerechtigkeit, Köln 2016

Editor von:

Francis Bacon, Über die Würde und die Förderung der Wissenschaften [1605/1623], Freiburg 2006

Arthur Baumgarten, Grundzüge der juristischen Methodenlehre [1939], Freiburg 2005

Edmund Burke / Friedrich Gentz, Über die Französische Revolution [1790/1793], Berlin 1991

William Godwin, Politische Gerechtigkeit [1793], Freiburg 2004

James Harrington, Oceana, [1656], Leipzig 1991

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts [1821/1833], Berlin 1981

Thomas Hobbes, Leviathan [1651], Leipzig 1978

Thomas Hobbes, Leviathan [1651], Hamburg 1996/2005

Wilhelm von Humboldt, Individuum und Staatsgewalt [1789-1793], Leipzig 1985

Wilhelm von Humboldt, Menschenbildung und Staatsverfassung [1791-1819], Freiburg 1994

Rudolf von Jhering, Der Kampf ums Recht [1872], Freiburg 1992

Immanuel Kant, Rechtslehre [1784-1798], Berlin 1988

Julius Hermann von Kirchmann, Die Wertlosigkeit der Jurisprudenz als Wissenschaft [1847], Freiburg 1990

John Locke, Bürgerliche Gesellschaft und Staatsgewalt [1660-1697], Leipzig 1980/ Berlin 1986

John Milton, Zur Verteidigung der Freiheit [1644-1660], Leipzig 1987

Heinrich Bernhard Oppenheim, Philosophie des Rechts und der Gesellschaft [1847/1850], Berlin 2007

Eugen Paschukanis, Allgemeine Rechtslehre und Marxismus [1924/1929], Freiburg 1991

Gustav Radbruch, Gesamtausgabe, Band 5: Literatur- und kunsthistorische Schriften [1911-1954], Heidelberg 1997

Carl von Rotteck/Carl Welcker, Rechtsphilosophie. Texte aus dem Staatslexikon [1834-1847], Freiburg 1994

Baruch de Spinoza, Politischer Traktat [1677], Leipzig 1988

Gerrard Winstanley, Gleichheit im Reiche der Freiheit [1649-1652], Leipzig 1986/ Frankfurt 1988

Mary Wollstonecraft, Verteidigung der Menschenrechte [1790], Freiburg 1996

[mit D. Losurdo, J. Lensink, J. Bartels], Repraesentatio mundi (FS Hans Heinz Holz), Köln 1997

[mit Uwe-Jens Heuer], Demokratie und Diktatur. Recht und Gerechtigkeit, Berlin 1998

[mit Wolfgang Beutin und Eckart Spoo], Lob des Kommunismus (von Platon über Apostelgeschichte bis Brecht), Hannover 2013; erweiterte Zweitauflage [auch mit Volkmar Schöneburg]: Essen 2023

 

Anmerkung: