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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Unbegreiflich, wie man dem vertrauen kann

Ellen Brombacher

 

Man könnte denken, Brecht habe das 1937 verfasste Gedicht »Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus« heute geschrieben, so die Zeilen:

»Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache / Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte, / Dass noch Menschen drin waren, Ich trat die Tür ein und rief ihnen / Zu, dass Feuer im Dach sei, sie also auffordernd, / Schnell hinauszugehen. Aber die Leute / Schienen nicht eilig. Einer fragte mich, / Während ihm schon die Hitze die Braue versengte, / Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne,

Ob nicht doch Wind gehe, ob da ein anderes Haus sei, / Und so noch einiges. Ohne zu antworten, / Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich, / Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören.«

Am 8. Mai begehen wir den Tag der Befreiung. Wir wissen aus Geschichtsbüchern, zumindest aus denen der DDR, dass damals weltweit der Wille dominierte, es müsse der letzte große Krieg gewesen sein. Dies ist ein Wunsch, den zu erfüllen das tödliche Streben nach Maximalprofit im Wege steht.

Und es steht der Erfüllung des Wunsches nach Frieden im Wege, dass Millionen Menschen tagtäglich reif gemacht werden, den Lügen der Kriegsertüchtiger eher Glauben zu schenken, als nach den Interessen der am Krieg Verdienenden zu fragen. Es muss daran erinnert werden: Die Hauptlast bei der Bezwingung des deutschen Faschismus trug die Sowjetunion, die dabei 27 Millionen Menschen verlor und immense materielle Verluste erlitt. Dort, wo die Wehrmacht nur verbrannte Erde hinterlassen hatte, lebten Menschen teils in Erdhütten, während das ausgeblutete Land den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki Rechnung tragen musste. Das Kapital hasste den ersten sozialistischen Staat, nicht für seine Unfertigkeit – schlimme Repressalien, auch Verbrechen eingeschlossen – sondern weil er die Eigentumsfrage zu lösen gewillt war. Und: Solange es die Sowjetunion und die mit ihr im Warschauer Vertrag verbündeten Staaten gab, war die Welt entschieden friedlicher. Wer das leugnet, ist analytisch minderbegabt oder ideologisch beschränkt – oder beides.

Die Sowjetunion gibt es seit 35 Jahren nicht mehr und ungeachtet der Zusagen des Westens, es werde keine NATO-Osterweiterung geben, wurden Russland und Belarus faktisch eingekreist. Der völkerrechtswidrige Krieg Russlands in der Ukraine war die Antwort darauf, nicht zu rechtfertigen, aber zu erklären. Daraus abzuleiten, »Der Russe« stände schon bald in Berlin, wenn Europa nicht hochrüste, ist infam. Aber so ist er, der deutsche Militarismus. Unbegreiflich, wie man dem vertrauen kann. Als Linke müssen wir alles tun, damit Menschen nicht erneut auf ihn hereinfallen.

Vorabdruck aus: »mittendrin«, Information des Bezirksvorstandes und der BVV-Fraktion Die Linke Berlin-Mitte Tiergarten Wedding, Mai 2026.