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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Neues Werben fürs Sterben

Horsta Krum, Berlin

 

Seit kurzem wirbt die Bundeswehr in einer neuen Sprache. Offensichtlich haben die Verantwortlichen gemerkt, dass die Bevölkerung ein Wort wie »Kriegstüchtigkeit« nicht sehr schätzt.

Auf dem Berliner Alexanderplatz wird ein neues Hochhaus errichtet. An zwei Seiten dieses Gebäudes erstreckt sich jeweils ein riesiges Plakat, dessen Breite die Höhe noch übertrifft. Ich als Fußgänger fühle mich klein wie eine Ameise, nein, noch kleiner, eher wie ein Plattwanze, niedergewalzt von den überdimensionalen Plakaten in schmutzigem Olivgrün, durchsetzt von Schwarz mit Grau.

Aber nein! Ich soll mich nicht niedergewalzt fühlen, im Gegenteil: Ich werde angesprochen als freier Mensch, dessen Willen respektiert und der als Individuum ernst genommen wird. »FREI. WILL. ICH.« Die drei kurzen Wörter, jedes durch einen Punkt in seiner Bedeutung gestärkt, klingen wie Hammerschläge. Sollen sie mich klein machen? Oder mein Selbstbewusstsein stärken? Schließlich geht es doch um Freiwilligkeit, wie der Verteidigungsminister oft betont.

Der Haupttext des anderen, ebenso großen Plakates lautet: »WEIL FRIEDEN NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH IST.« Dieser Text hämmert nicht, er kommt mit freundlicheren Schritten daher, sogar mit einem Argument, dem zuzustimmen ist. Oder etwa nicht?

Unter dem jeweils groß gedruckten Haupttext folgt, weit weniger auffällig, auf beiden Plakaten: »Wehrdienst machen, Frieden sichern.« in kleineren schwarzen Buchstaben in einem gelben Kasten.

Falls es inzwischen weitere Plakate gibt, wiederholen auch sie sicherlich den zweiten Text »Wehrdienst machen, Frieden sichern.«

Ob Jugendliche sich nun bereitwilliger als Freiwillige bei der Bundeswehr melden, weil in der Werbung vom Frieden als Konstante, dreimal auf zwei Plakaten, die Rede ist?

Ansonsten sprechen Pistorius, andere Verantwortliche und die Medien nicht vom Frieden, sondern halten weiter an »Kriegstüchtigkeit« fest.

 

Kurznachricht

Sagt mit uns »Nein!« zur Bundeswehrtram! – Gewerkschaftlich organisierte Trambahnfahrerinnen und Trambahnfahrer aus München nehmen es nicht hin, dass sie die Straßenbahn (Typ T1, Wagen 2804) mit Werbung für eine angebliche »Karriere bei der Bundeswehr« durch München fahren sollen. Der Gerichtstermin am 22. Januar 2026 im Arbeitsgericht München, an dem die Klage eines Kollegen gegen seine Abmahnung mit DGB-Rechtsschutz verhandelt werden sollte, wurde von Amts wegen auf Montag, den 23. März 2026, vertagt – und die Kundgebung zur Unterstützung ebenfalls.

Die vor rund einem Jahr auf Change.org gestartete Petition kann hier weiter unterzeichnet werden: https://www.change.org/p/sagt-mit-uns-%CC%81nein-%CC%81-zur-bundeswehrtram.

 

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