Leserbrief
zu Gerhard Mertschenks Beitrag »Überlegungen zum 12. Oktober«
Zu Gerhard Mertschenks Beitrag »Überlegungen zum 12. Oktober«im Heft 10/2017 der »Mitteilungen« schrieb Wolfgang Herrmann aus Grünow: Lieber Gerhard, herzlichen Glückwunsch zu deinem brillanten Beitrag in den Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE Heft 10/2017. Im September hielt ich vor der Rotfuchs-Gruppe in Eberswalde einen Vortrag zum Thema »Was können die europäischen Linken von den lateinamerikanischen Linken lernen«. Mein Blickwinkel gleicht dem Deinen. Zwar stütze ich mich auf zum Teil andere Fakten. Das ist normal, denn unsere lateinamerikanischen Erlebnisse sind unterschiedlich. Im Wesen aber sind wir uns einig. Das Studium des Sandinismus hat mich gelehrt, dass die Klassenauseinandersetzungen in Lateinamerika und der Karibik indigene Wurzeln haben. Die Optik der Linken der Eroberten ist eben etwas anders als die der Linken der Eroberer. Die revolutionären und Fortschrittskräfte Lateinamerikas und der Karibik kennen und schätzen den Marxismus-Leninismus. Sie verbinden ihn aber immer mit dem Wirken ihrer eigenen historischen und revolutionären Vorbilder. Sie haben wohl gut verstanden, dass der M-L nicht nur Theorie, sondern auch Methode ist.
Eine Episode: Anlässlich des 70. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1987 gab die sowjetische Botschaft in Managua einen Empfang. Ich war auch eingeladen. Als Ehrengast wurde Boris Jelzin begrüßt, der damals Mitglied des Politbüros der KPdSU war. In vorgerückter Stunde fuhren plötzlich die Jeeps der Comandantes der Nationalleitung vor und die Comandantes verließen geschlossen die Veranstaltung. Was war geschehen? Mitarbeiter des Sekretariats der Nationalleitung erzählten am nächsten Tag, dass Jelzin am Tisch der Prominenz Lenin in den Himmel gehoben und Sandino im Vergleich einen kleinbürgerlichen Revoluzzer genannt hatte. Aus Protest verließ die NL die Veranstaltung.
Saludos solidarios Wolfgang