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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Hermann Klenner zum Hundertsten

Ellen Brombacher, Volkmar Vogel

 

Auf dem Weg zum Rednerpult bat Hermann einen Genossen, der an der Bundeskonferenz der Kommunistischen Plattform im April 2014 teilnahm, ihm für eine Stunde die Uhr auszuleihen. Solange habe er Redezeit. Nach genau 60 Minuten beendete er den Vortrag »Juristisches zum Krimkonflikt«. Hermann hielt, wie stets, seine Rede frei – ohne irgendein Papier, druckreif.

Im April 2014 hatte sich die Krim als nunmehriges Föderationssubjekt Russlands eine eigene Verfassung gegeben und den Rubel als offizielle Zweitwährung eingeführt. Im Westen begann daraufhin eine extreme antirussische Hetze. In dieser Situation bat der KPF-Sprecherrat Hermann darum, auf der oben erwähnten Konferenz einen Vortrag zum Krimkonflikt zu halten. Seine Ausführungen sind heute so aktuell, wie vor beinahe 12 Jahren. Ein Auszug soll das belegen: »Konnte es für Russlands Entscheidungen im Krim-Konflikt gleichgültig sein, dass diese Krim, in deren Kurort Jalta von den Alliierten im Februar 1945 die Nachkriegsordnung beschlossen wurde, und die dann 1954 auf undemokratische Weise an die Ukraine fiel, seit 1783 zu Russland gehört hatte? Konnte es für Russlands Entscheidungen gleichgültig sein, dass Deutschland, dessen gegenwärtige Regierung den Staatstreich in der Ukraine materiell und ideell unterstützte, Russland 1914 den Krieg erklärt, im Zweiten Weltkrieg viele Millionen Russen ermordet, und deren Nazi-Wehrmacht zwischen 1942 bis 1944 die Krim besetzt hatte? Konnte es für Russlands Entscheidungen gleichgültig sein, dass die Putschisten in Kiew mit Gewalt und Verfassungsbrüchen die Macht okkupiert, Russophobe, Antisemiten und bekennende Bandera-Adepten in Staatsämter gehievt sowie die Menschenrechte nationaler Minderheiten für die Ukraine eingeschränkt hatten, und deren Präsidentschaftskandidatin Timoschenko sich dazu bekannte, ›mit einer Kalaschnikow dem Dreckskerl [Putin] in den Kopf schießen‹ zu wollen? Konnte es für Russlands Entscheidungen gleichgültig sein, dass die USA unter Verletzung der UN-Charta von 1945 durch ihre Aggressionspolitik in Vietnam, Afghanistan und Irak Völkerrechtsbrüche aus Prinzip beging, dass die NATO, auch unter Missachtung der Aggressionsdefinition der Vereinten Nationen von 1974 Jugoslawien bombardierte und entgegen aller Zusagen ihr Territorium in den letzten zwanzig Jahren systematisch nach Osten ausdehnte? Und hätte Russland unter Missachtung der eigenen Sicherheitsinteressen abwarten sollen, bis in Sewastopol neben ihrer eigenen Flotte auch die der NATO ankert? Hätte das nicht aber, statt dem Frieden in der Welt zu dienen, ihn eher und in Permanenz gefährdet?« [1]

Hermanns eherne Überzeugungen, die in diesen Formulierungen ihren Ausdruck finden, sind das Resultat eines zutiefst ereignisreichen Lebens. Wir haben den tabellarischen Lebenslauf von Prof. Dr. Hermann Klenner angefügt. Er hat den Krieg erlebt – seit August 1944 als Rekrut bei der deutschen Wehrmacht. Ende der 90er Jahre besuchte er eine Veranstaltung, an der auch Kurt Gutmann teilnahm. Kurt war unmittelbar vor Kriegsausbruch mit dem letzten Transport jüdischer Kinder nach Großbritannien gekommen und hatte sich kurz vor Kriegsende, mit dem Erreichen des dafür notwendigen Alters, zur britischen Armee gemeldet, um gegen die Faschisten zu kämpfen. Hermann meldete sich zu Wort. Er habe nie auf einen Menschen geschossen. »Aber, es hätte sein können«, sagte er an Kurt gewandt, »dass ich auf Dich geschossen hätte«. Allein diese Vorstellung sei schrecklich, sagte er unter Tränen. Er hasst den Krieg und die Faschisten und ist voller Achtung vor jenen, die gegen die Nazi-Mordbande gekämpft hatten. Wenn er über Prof. Dr. Moritz Mebel spricht, den international renommierten Urologen und Offizier der Sowjetarmee im II. Weltkrieg, dann spürt man das besonders deutlich. Die DDR war für Hermann der friedliebende, antifaschistische deutsche Staat. Dieser Staat ist mit ihm nicht nur gut umgegangen. An seiner Grundeinstellung zur DDR änderte das nichts. 

Seit mehr als anderthalb Jahrzehnten nimmt Hermann als Gast an den Veranstaltungen der KPF teil, liest monatlich die von ihm als Autor mitgestalteten »Mitteilungen« und so wurde er im Oktober 2021 Mitglied der Kommunistischen Plattform. Der KPF-Bundessprecherrat hatte diejenigen Parteimitglieder der LINKEN, die mit den von der KPF vertretenen Positionen übereinstimmen, darum gebeten, deren Reihen zu stärken. Hermann schrieb darüber, da habe es für ihn nur ein sofortiges »Was sonst?« gegeben.

Dass Hermann ein glänzender Wissenschaftler ist, weiß jeder, der etwas von der Jurisprudenz versteht. Wer ihn näher kennt – diese große Ehre wird uns zuteil – weiß um seine emotionale Intelligenz; um sein Mitgefühl, seine Menschenkenntnis und seine Fähigkeit, zu erfassen, was andere fühlen. Dieser liebe, so ungemein kluge und gebildete Hermann Klenner begeht am 5. Januar 2026 seinen hundertsten Geburtstag. Wir gratulieren unserem Genossen von ganzem Herzen zu seinem Geburtstag und wünschen ihm alles erdenklich Gute, verbunden mit großem Dank für seine stete Solidarität.

 

Anmerkung: