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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Die »Internationale des Antifaschismus«

Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR

 

75 Jahre Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten und ihre Zukunft

 

Vor 75 Jahren, im Sommer 1951, wurde die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (Fédération Internationale des Résistants, FIR) bei einem internationalen »Friedenskongress der Widerstandsbewegung« in Wien aus der Taufe gehoben. Je nach Zählweise waren Vertreter aus 18 bzw. 19 europäischen Ländern vertreten. 

Dies war nicht die erste Organisation der Überlebenden der Konzentrationslager, der Frauen und Männer aus dem antifaschistischen Kampf, der politisch Verfolgten und der der Kämpfer in den Reihen der Anti-Hitler-Koalition. Unmittelbar nach der Befreiung und Zerschlagung der faschistischen Barbarei in Europa gründeten die ehemaligen politischen Gefangenen der Konzentrationslager und Gefängnisse des faschistischen Deutschlands in Warschau die Organisation FIAPP (Federation internationale des anciens prisioniers politiques). Bereits 1948 wurde auch die deutsche Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) als gleichberechtigtes Mitglied aufgenommen. Der Kalte Krieg führte jedoch dazu, dass die politischen und ideologischen Spaltungen zunehmend das Handeln der FIAPP blockierten. Da jedoch die Stimme der Überlebenden international ein Gewicht im Friedenskampf haben sollte, erfolgte Ende Juni 1951 die Neugründung der FIR. Mit ihr gelang es, Organisationen von ehemaligen Widerstandskämpfern, Deportierten und Internierten, Aktive unterschiedlicher politischer Richtungen aus Ost und West zu integrieren. Der Sitz der FIR wurde in Wien eingerichtet. 

Die Hauptaufgaben der FIR in dieser Zeit leiteten sich ab vom »Schwur von Buchenwald«: »Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln. Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit!«. Zudem ging es um die Bewahrung der Erinnerung an die Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung und ihres politischen Vermächtnisses. Die FIR unterstützte die Verfolgten des NS-Regimes in ihren sozialen und medizinischen Belangen und setzte sich für die Erinnerung an den Kampf der Partisanen und der illegalen Widerstandsgruppen in allen Ländern ein. Gegen das Wiedererstarken neofaschistischer Gruppen dokumentierte die FIR die Realität der faschistischen Verbrechen. In den fünfziger und sechziger Jahren organisierte die FIR Kongresse zu medizinischen, politischen und historischen Themen. Die Historische Kommission veröffentlichte einen ersten Gesamtüberblick über die Widerstandsbewegung in verschiedenen Ländern Europas. 

In dieser Zeit war die politische Arbeit der FIR stark mit der Frage des Friedens, der Abrüstung, der Verständigung und der Zusammenarbeit der gegensätzlichen politischen Systeme verbunden. Die FIR gab dem ehemaligen Widerstand eine Stimme gegen die zunehmenden militärischen Spannungen. Mitgliedsverbände aus Ost und West starteten Initiativen zur Überwindung der Konfrontationspolitik. Gemeinsam mit anderen Veteranenverbänden bereitete die FIR ein »Welttreffen ehemaliger Kriegsteilnehmer für Abrüstung« 1979 in Rom vor. Aufgrund der vielfältigen Aktivitäten und Initiativen für Abrüstung und internationale Zusammenarbeit wurde die FIR von den Vereinten Nationen zum »Botschafter des Friedens« ernannt. 

Gegen faschistische Traditionsverbände wie HIAG (»Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS«) und neofaschistische Gruppen organisierte die FIR in den 80er Jahren Massendemonstrationen in Straßburg und Köln und andere Aktivitäten. In diesen Jahren arbeitete als Vertreter des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR Kurt Julius Goldstein als politischer Sekretär der FIR in Wien.

Vollzogene Öffnung

In den 90er Jahren musste die FIR auf die Veränderung der politischen Strukturen in der Welt reagieren. Die sozialen und politischen Probleme der Partisanen und Widerstandskämpfer in den ehemals sozialistischen Ländern wuchsen, die finanziellen Mittel gingen zurück und das Durchschnittsalter der Frauen und Männer aus dem Widerstand und der Opfer des Faschismus wurde immer höher. So wurde es notwendig, die Struktur der FIR für die nachgeborenen Generationen zu öffnen. Dieser Prozess fand 2004 seinen Abschluss auf dem XIII. regulären Kongress in Berlin, als die FIR eine neue Satzung verabschiedete, die auch die Integration junger Antifaschistinnen und Antifaschisten vorsieht. Seit damals trägt die Organisation den Namen: Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten. Der Sitz der Organisation wurde nach Berlin verlegt.

Heute hat die FIR Mitgliedsverbände in mehr als 25 europäischen Ländern, in Israel und Lateinamerika. Die politischen Umstände haben sich geändert, aber die Hauptaufgaben sind immer noch: »Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!« Für die FIR bedeutet das, sich für die Bewahrung der historischen Wahrheit über den Widerstandskampf, über den Faschismus und die Rolle der Anti-Hitler-Koalition, der alliierten Streitkräfte, vor allem der sowjetischen Soldaten, einzusetzen, die die Hauptlast des Krieges trugen, die die faschistische Barbarei zerschlug. Zunehmend sehen sich die FIR-Verbände mit massiven Angriffen auf die Erinnerung, mit Rehabilitierung von Nazikollaborateuren und Geschichtsrevision konfrontiert. Dagegen versuchen die nationalen Mitgliedsverbände deutliche Signale zu setzen. Zusammen mit politischen und gesellschaftlichen Partnern organisierte die FIR in den vergangenen Jahren mehrere internationale antifaschistische Konferenzen, Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiungstage und große internationale Jugendtreffen in KZ-Gedenkstätten (»Zug der Tausend«), das letzte im April 2025 in der Gedenkstätte Buchenwald. 

In den politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart sind die FIR und ihre Mitgliedsverbände mit klaren Stellungnahmen und als Mitstreiter in politischen Bündnissen wahrzunehmen. Gemeinsam mit den Mitgliedern heutiger Generationen treten sie gegen Neofaschismus, Antisemitismus, Rassismus und Terrorismus und deren gesellschaftliche Wurzeln ein. Auf der Grundlage der Gemeinschaft des Kampfes gegen den Faschismus treten die FIR und ihre Mitgliedsverbände heute für Frieden, politische und soziale Menschenrechte und Demokratie ein. 

Der Kampf muss weitergehen

In den 75 Jahren ihres Bestehens haben die FIR und ihre Mitgliedsverbände mehrfach existentielle Umbrüche erlebt. Dennoch gelang es, die Arbeit dieser Dachorganisation der Überlebenden, ihrer Familienangehörigen und heutiger Generationen von Antifaschisten fortzuführen. Das Eintreten für deren Vermächtnis ist bis heute notwendig, weil die Bedrohung der Menschheit durch Faschismus und Krieg nicht gebannt ist, aktuell sogar wieder wächst.

Die grundlegenden Ziele der FIR, ihr Eintreten für antifaschistische und demokratische Werte bestimmen auch heute die Arbeit. Doch Kampfformen und Bündnisse müssen, wie in der Vergangenheit, an die aktuellen gesellschaftliche Bedingungen angepasst werden, auch die Entwicklung neuer Formen politischen Engagements und strukturelle Veränderungen der Organisationen.

Natürlich engagieren sich die FIR und ihre Verbände gegen den Vormarsch der extremen Rechten und alle neofaschistischen Provokationen. Damit leisten sie ihren Beitrag, den Aktionsraum der extremen Rechten durch zivilgesellschaftlichen Widerstand einzuschränken. Die aktuelle Rechtsentwicklung bewegt nicht nur antifaschistische Organisationen, sondern breitere Kreise. Daraus entstehen Möglichkeiten für neue Bündnisse. Die Rolle bürgerlicher Parteien an der Rechtsentwicklung und am Abbau demokratischer und sozialer Rechte in den jeweiligen Ländern sollen jedoch nicht aus dem Blick geraten. Vor allem geht es darum, Betroffene von rechten Angriffen, migrantische Organisationen, Gewerkschaften und gesellschaftliche Minderheiten in antifaschistische Aktionen einzubinden. Es gibt in vielen Ländern gute Erfahrungen, wie Bündnisse unter Anerkennung der Unterschiedlichkeit von Positionen möglich sind. 

Nicht nur durch die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und jetzt gegen den Iran steht die Friedensfrage weiter im Zentrum der politischen Arbeit. In Europa findet man sehr heterogene Friedenskräfte und Bewegungen gegen Militarisierung. Es ist eine Aufgabe für die FIR und ihre Verbände, sich als aktiver Teil der Friedensbewegungen, in der Platz für unterschiedliche Positionen sein muss, zu erweisen. Es geht darum, sich in breiten gesellschaftlichen Aktivitäten der Militarisierung der Gesellschaft und der Umschichtung von Haushaltsmitteln zugunsten von Aufrüstung und zulasten sozialer Sicherheit zu widersetzen, ohne dabei antifaschistische Positionen aufzugeben. In der Friedensfrage verteidigt die FIR das Völkerrecht und die Prinzipien der Vereinten Nationen. Es muss um eine Stärkung der UNO gehen, die das Ergebnis des Sieges über die Nazi-Barbarei war. Eine Rückkehr zum »Recht des Stärkeren« in der internationalen Politik hätte katastrophale Folgen. 

Eine zentrale Aufgabe der FIR und ihrer Verbände, fast schon ein Alleinstellungsmerkmal, bleibt die Verteidigung der Erinnerung an den Kampf der Völker gegen die faschistische Bedrohung und die Nazi-Barbarei. Ideologische Angriffe auf die Erinnerung, wie die skandalöse Resolution des Europaparlaments vom September 2019 zielen darauf, antifaschistische Erinnerungen aus dem kollektiven Gedächtnis der Völker zu löschen, um heute »Kriegsertüchtigung« zu schaffen. Bei dieser Erinnerung darf es nicht um ritualisierte Formen des Gedenkens gehen. Heutigen Generationen muss ein eigener Zugang zu diesem Gedenken ermöglicht werden. Überhaupt bleibt es eine Voraussetzung für die Fortexistenz der FIR und ihrer Mitgliedsverbände, die Übergabe des Staffelstabes an Angehörige nachfolgender Generationen zu organisieren. Auch darüber wird der 20. FIR-Kongress im November 2026 in Lissabon debattieren.

 

Für Interessierte an der Arbeit der FIR gibt es ein Informationspaket mit zwei Broschüren:

Gedenkstätten der FIR zu antifaschistischem Kampf und Verfolgung, 104 Seiten, Berlin 2021.

75 Jahre »Internationale des Antifaschismus«, Kurze Geschichte einer internationalen Vereinigung der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung und ihrer Verbände, 44 Seiten, Berlin 2026.

Dieses Paket wird gegen eine Spende von 10,- € abgegeben.
Lieferung erfolgt nach Eingang der Spende auf dem Organisationskonto.
Kontoverbindung:
IBAN: DE04 1001 0010 0543 0541 07, BIC: PBNKDEFF, Kontoinhaber: FIR.
Bitte teilt per E-Mail an office@fir.at die Lieferanschrift mit.

 

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