Bedingungsloses Engagement für Menschlichkeit
Kristian Glaser, Hamburg
Redebeitrag zum kubanischen Gesundheitswesen
Estimada Juana Martínez González, querida amiga, liebe Freundinnen und Freunde!
Warum, so frage ich, wird Kubas Bevölkerung durch die Blockade so gequält? Ich antworte: Weil der kubanische Sozialismus die humanistische Alternative zum dekadenten, barbarischen Kapitalismus ist. Und das wollen der US-Imperialismus und besonders die Trump-Regierung nicht zulassen.
Ich frage weiter: Wird das kubanische Volk den Sieg davontragen? Ich antworte: Ja, weil Kuba nichts weniger als die Hoffnung der Menschheit ist. Denn in Kuba steht der Mensch im Zentrum. Nicht der Profit. Nicht die Lüge. Nicht die Rohheit. Sondern der Mensch. Das ist der Grund, weshalb die kubanische Revolution das beste Gesundheitssystem der Welt aufgebaut hat.
Fidel und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter schafften in kürzester Zeit die Privilegien der Reichen für den Zugang zu medizinischer Versorgung ab. Sie errichteten ein flächendeckendes System der staatlichen Gesundheitsversorgung. Es reicht bis in das abgelegenste Dorf, es ist kostenfrei und bewegt sich auf höchstem wissenschaftlichen Niveau.
Hier wird der Mensch nicht dann erst behandelt, wenn er bereits erkrankt ist, um der Geräte- und Pharmaindustrie Profit zu verschaffen. Nein, auf Kuba setzt man auf Prävention und Früherkennung. Daher geht ein kubanischer Patient nicht zum Hausarzt, sondern der Hausarzt kommt vorbeugend zu den Patienten.
Die Revolution hat Krankenhäuser und Forschungszentren errichtet. Es werden Medikamente etwa gegen Krebs entwickelt, die von aller Welt nachgefragt werden. Nicht von ungefähr sind die kubanischen Impfstoffe gegen Covid-19 einfach, preisgünstig und hitzeresistent. So erreichen sie auch die Menschen in armen und heißen Ländern.
Kubas Erfolge in der Gesundheitspolitik sind beeindruckend: Die durchschnittliche Lebenserwartung lag vor der Revolution bei 62 Jahren, heute beträgt sie 78 Jahre. Die Säuglingssterblichkeit wurde von 46 Toten pro 1.000 Lebendgeburten auf sage und schreibe 4,3 reduziert. Statt damals 6.000 Ärzten gehen heute 75.000 Mediziner ihrer Aufgabe nach – und jedes Jahr werden 10.000 neue ausgebildet. Das sind Zahlen, die nicht von vielen entwickelten Industriestaaten erreicht werden.
Dies alles macht Kuba zur Avantgarde der Menschlichkeit unter den Völkern. Es ist die Kraft einer Revolution, die es den Menschen erlaubt, das Beste für sich und ihresgleichen zu geben: ihr Können, ihren Verstand, ihr Herzblut.
Deshalb bleibt die Gesundheitsversorgung trotz der brutalen Blockade intakt. Deshalb kämpft und pulsiert der kubanische Sozialismus und ist trotz der Strangulierungsversuche quicklebendig. Ein kubanischer Arzt geht seinem Beruf nicht des Renommees oder des Geldes wegen nach. Sondern aus Überzeugung. Immer bereit, wenn ein Patient ihn benötigt.
In internationalen Einsätzen sind jährlich 30.000 kubanische Ärzte aktiv. 30.000! Sie eilen in Länder mit schweren Naturkatastrophen oder anderen Krisen. In Länder, für die der »Wertewesten« nur Soldaten, Manager und Almosen übrig hat.
Dort, im Ausland, wagen sich kubanische Ärzte in Favelas, wohin kein einheimischer Mediziner seinen Fuß zu setzen wagt. Sie suchen die entlegensten Gegenden auf, wo man noch nie ein Stethoskop gesehen hat. Sie helfen Patienten mit aggressiven Übertragungskrankheiten wie dem Ebolavirus selbst bei Gefahr für das eigene Leben.
Und warum machen sie das alles, liebe Freundinnen und Freunde? Weil sie Ärzte der kubanischen Revolution sind. Ärzte mit Herz und Ethos.
Es macht einen Unterschied um das Ganze, ob man wie in der bundesdeutschen Zweiklassenmedizin von überlastetem Personal behandelt wird, das seine Arbeit auf ein Minimum reduzieren muss und innerlich längst gekündigt hat, weil der Patient und sie selbst als betriebswirtschaftliche Größe behandelt werden. Mit Fünf-Minuten-Medizin und einem unmenschlich profitorientierten Pflegesystem. Wie sollen die Kolleginnen und Kollegen so um das Leben ihrer Patienten kämpfen?
Es wird gesagt: Für Geld könne man sich alles kaufen. Etwa eine optimale medizinische Versorgung. Das stimmt nicht! Ich selbst bin Patient des kubanischen Gesundheitswesens, und ich sage: Das bedingungslose Engagement für Menschlichkeit läßt sich nicht kaufen. Gerade bei schwierigen Erkrankungen gilt auf Kuba das Motto: »Geht nicht, gibt’s nicht.« Das ist für uns Patienten mit unheilbaren Krankheiten nichts weniger als der Unterschied zwischen Verzweiflung und Hoffnung.
Hoffnung, wenn eine kubanische Krankenschwester uns in einer schwierigen Phase in den Arm nimmt und lächelnd sagt: »Mache Dir keine Sorgen!«
Hoffnung, wenn der behandelnde kubanische Arzt uns seinen Freund nennt und feststellt: »Wenn Du mitziehst, schaffen wir es.«
Hoffnung, wenn selbst das kubanische Reinigungspersonal weiß, wo und wie medizinische Hilfe schnell zu finden ist.
Hoffnung, wenn die Köchin der Krankenhausküche Essen eigens für Dich besorgt, damit Du zu Kräften kommst.
Hoffnung, wenn die kubanische Oberschwester zum benachbarten Krankenhaus rennt, um ein wichtiges Medikament unkonventionell zu besorgen – und ihre anderen Patienten geduldig auf sie warten.
Hoffnung, wenn eine einfache Pflegerin den Chefarzt anpfeift, weil er es in der Eile ein einziges Mal an Respekt hat fehlen lassen.
Hoffnung, wenn man miterleben durfte, wie ein kubanisches Notfallteam eine Patientin behandelt, wie da alle Hände professionell und in Windeseile ineinandergreifen wie ein Hochpräzisionsuhrwerk. Allein von dem kollektiven Willen angetrieben, ein Menschenleben zu retten.
Wie viel besser sähe es in Kuba ohne die gottverdammte Blockade aus? Wie viel menschlicher wäre die Welt?
Liebe Freundinnen und Freunde! Zu Anfang äußerte ich die Auffassung, dass Kuba den Sieg davontragen werde. Ich bin davon zutiefst überzeugt. Jedoch: Die Blockade behindert, drangsaliert und mordet jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Es liegt an uns, dass die Blockade schnell fällt. An uns, die wir hier im Zentrum des europäischen Imperialismus leben. In der Höhle des Löwen. Was sollen wir also tun?
Lassen wir uns begeistern von der kubanischen Menschenfreundlichkeit und Herzlichkeit! Lassen wir uns mitreißen vom Ringen der Kubanerinnen und Kubaner um ihre Würde und um ihre Souveränität! Lassen wir uns bewegen von den heißen Rhythmen der kubanischen Musik! Lassen wir uns involvieren in den gemeinsamen Kampf für eine solidarische Welt ohne Krieg und Gewalt, ohne Ausbeutung und ohne Hass! Lassen wir uns ein auf den Kampf für eine Welt, in der der Mensch dem Menschen ein Freund ist. Dann, ja dann wird die Blockade fallen. Und die Humanität wird triumphieren.
Viva Fidel! Viva la revolución cubana! Viva la solidaridad internacional!
Rede bei der Kuba-Solidaritäts-Demonstration aus Anlass von Fidels 100. Geburtstag und der Fiesta Moncada am 15. August 2026 in Bonn (s. www.netzwerk-cuba.org/event/bonn-fiesta-moncada-3/). Kristian Glaser ist Mitglied von »Hilfe bei Tunnelblick e.V.«.