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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Aus meinem Reisebericht

Heide Hinz, Dresden

Im August 2016 fuhr ich mit »Blue and White« durch das polnische Riesengebirge, wandelte auf den Spuren der Mutter.

Auf meiner Reise durch Schlesien habe ich schöne gepflegte Dörfer und Städte und freundliche Menschen erlebt, unter anderem auch das Haus Wiesenstein von Gerhart Hauptmann in Agnetendorf (Jagniątków), dem Geburtsdorf meiner Großmutter.

Viele Schlösser sind in alter Pracht, jetzt als Hotelanlagen, wiedererstanden, darunter das Schloss Lomnitz (Pałac Łomnica), ein von Schinkel inspirierter Bau, durch dessen Tore meine Mutter aus Erdmannsdorf (Mysłakowice) zur Schule ging.

Das wieder in Rede gekommene Waldenburg (Wałbrzych), in der faschistischen Zeit seit 1935 Sperrgebiet, wo man noch immer nach einem »Goldzug« sucht, ist mir nach den Erzählungen eines Mitreisenden, der dort als Kind bei seinen Großeltern weilte, zu einem Gräuel-Erlebnis geworden.

Zweitausend Zwangsarbeiter, so wusste er, hätten nach Kriegsbeginn täglich unter erbärmlichen Bedingungen, sowohl in der Spinnerei als vor allem auch bei den in die Erde zu treibenden 7 Stollen, geschuftet. Infolge der Schwere der Arbeit, im Winter mussten die Frauen barfuß die Wege vom Schnee beräumen, was der mitreisende Enkel (damals als 5- und 6-Jähriger) selbst sah, überlebten diese wie alle Zwangsarbeiter nur jeweils drei bis vier Wochen. Ständiger Nachschub von KZ-Häftlingen war gegeben. Zuerst seien die zu Tode Gekommenen noch nach Auschwitz in die Brennöfen verbracht worden, später habe man sie in Löcher vor Ort geworfen und mit einer Chlorlösung übergossen.

Als sich die Front mit der Roten Armee gegen Ende des Krieges näherte, seien in einer einzigen Nacht alle Zwangsarbeiter und auch die SS-Wachmannschaften nach großem Lärm von Sprengungen tags drauf wie vom Erdboden verschluckt gewesen.

Dieser Enkel weiß es aus den Erzählungen seiner ehrbaren Großeltern, Großvater war als Bergmann, Großmutter in der Spinnerei tätig. Sie, die einmal unter der Schürze etwas Essbares für eine Zwangsarbeiterin trug, sei von der Gestapo abgeholt und eine Nacht lang vernommen worden, zum Glück freigekommen.

Der Mitreisende vermutet, dass, wenn es den sogenannten »Goldzug« gibt, es auch ein Leichenzug sein könnte …

Wozu Deutsche fähig waren, das beschämt mich zutiefst und das darf sich nicht wiederholen, jedoch: Die Gefahr aus den Reihen der AfD ist nicht unbegründet. Noch können, müssen wir uns wehren.                  

Ausgewählt anlässlich des 80. Jahrestages des Überfalls der faschistischen Wehrmacht auf Polen.
Dresden, Juli 2019

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