Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz
Zum Hauptinhalt springen

Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

70 Jahre Ehrenmal Treptow

Stephan Jegielka, Berlin

Alleine im Kampf um Berlin gaben in den letzten Tagen des Krieges 20.000 sowjetische Soldaten ihr Leben. 7.600 von ihnen liegen in Treptow begraben. [1]

Vor 70 Jahren, am 8. Mai 1949, dem Tag der Befreiung, wurde das Treptower Ehrenmal eingeweiht. Drei Jahre zuvor, im Juni 1946, hatte der Militärrat der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland die Projektierung und den Bau in Auftrag gegeben. Dazu wurde ein Wettbewerb ausgerufen, an dem sich über 50 Künstler aus der Sowjetunion und dem Ausland beteiligten. Der bestätigte Entwurf wurde von dem Bildhauer J. V. Wutschetitsch, der Ingeneurin S. S. Walerius, dem Architekten J. B. Belopolski und dem  Maler A. A. Gorpenko  erarbeitet. J. V. Wutschetitsch, J. B. Belopolski und A. A. Gorpenko erhielten für ihre dem Thema entsprechende künstlerische Umsetzung für das Jahr 1949 den Stalinpreis 1. Klasse. [2] An den Ausführungen der Arbeiten zur Errichtung des Treptower Ehrenmals waren insgesamt 1.200 Arbeitskräfte, 200 Steinmetze und 90 Bildhauer beteiligt. Dazu wurden 20.000 Kubikmeter Beton und 30.000 Kubikmeter Erde verarbeitet. [3]

Das Ehrenmal Treptow ist als dreiteiliger Komplex gestaltet, der sich ideal in die landschaftlichen Gegebenheiten einfügt. Über den Eingang des Ehrenmals an der Puschkinallee, einen Triumphbogen, erreicht der Besucher nach einem von Bäumen gesäumten Weg das Denkmal »Mutter Heimat«. Das fünf Meter hohe Denkmal steht für die Trauer, aber auch den Stolz der russischen Frau, der Mutter, die den Kampf ihres Sohnes für die Heimat heilig spricht, ihn ermahnt, im Kampf gegen den Faschismus all seine Kräfte einzusetzen, selbst auf die Gefahr des Todes hin. [4] Hier treffen sich auf Initiative der VVN/BdA Treptow-Köpenick jährlich am 8. Mai hunderte Menschen zu einer Kundgebung, auf der an den Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus erinnert wird und die antifaschistischen Verpflichtungen in der Gegenwart benannt werden.

Von hier gelangt der Besucher auf der Hauptachse in Richtung Hauptmonument zu der  Fahnengruppe, die den Eingang zum bestimmenden Komplex mit den fünf Grabkammern bildet. Die aus rotem Granit gefertigten monumentalen Fahnen sind 14,50 Meter hoch und 26,50 Meter lang. Die vor den gesenkten Fahnen positionierten (40 Tonnen schweren) Bronzefiguren stellen kniende Kämpfer dar, einen alten, der für den ruhmreichen Weg der Roten Armee von Stalingrad nach Berlin steht, und einen jungen Soldaten. Sie nehmen Abschied von ihren gefallenen Brüdern. Sinnbildlich senkt hier das Sowjetvolk »über den Gräbern seiner treuen Söhne die ruhmvollen Banner.« [5] Vor der Fahnengruppe stehen zwei aus der Sowjetunion stammende Birken, zu jeder Seite jeweils eine, die ihre Wurzeln in das aus der sowjetischen Heimat gelieferte Erdreich schlagen. Zwischen den Birken erstreckt sich eine Steinplatte mit einer Inschrift. Hier sind ein Soldat, ein Unteroffizier, ein Offizier und ein General der Roten Armee, jeweils Helden der Sowjetunion, beigesetzt, die ihr Leben in der Schlacht um Berlin gaben. Von diesem terrassenförmigen Portal fällt der Blick der Besucher auf das weltbekannte Hauptmonument. In dem davor tiefer liegenden 200 Meter langen zentralen Raum liegen längs der Hauptachse die fünf Grabkammern, der Friedhof für die meisten der in Berlin gefallenen sowjetischen Soldaten. [6]

An beiden Seiten des Gräberfeldes reihen sich jeweils acht Sarkophage aus Stein. Sie sind 3,50 Meter hoch und 4,90 Meter lang. In die Sarkophage sind thematische Reliefs, eine Chronik des Großen Vaterländischen Krieges mit jeweiligen in Gold gefassten Aussprüchen J. W. Stalins eingearbeitet.

Am Fuße der Gräber steht das weltbekannte Hauptmonument. Es ist insgesamt 30,80 Meter hoch. Auf einem 9,50 Meter hohen Hügel wurde das 8,50 Meter hohe Mausoleum errichtet. Darüber erhebt sich die Bronzefigur des Helden Massalow in eine Höhe von 12,80 Meter. In der linken Hand hält er das sechs Meter lange über das zertrümmerte Hakenkreuz gesenkte Schwert als Symbol des Sieges über den deutschen Faschismus. Im rechten Arm trägt er ein von ihm in den letzten Kriegstagen vor dem Tod gerettetes deutsches Mädchen. Damit wird eine klare Botschaft transportiert: Trotz Hitler, trotz des gewesenen Faschismus hat das deutsche Volk eine Zukunft, die es zurück in die Völkergemeinschaft führt. Diese monumentale Figur bildet mit dem Monument »Hinterland – Front!« in Magnitogorsk und dem Denkmal »Mutter Heimat« auf dem Mamajewhügel eines der drei Teile einer künstlerischen Komposition, in denen das Schwert als Allegorie des Sieges figuriert. Am Ural geschmiedet, an der Wolga zum Angriff gegen die faschistischen Eindringlinge gezogen und emporgehoben und in Deutschland siegreich gesenkt. [7]

Über einen Stufengang gelangt der Besucher hinauf zum Inneren des Postaments, dem   Mausoleum. In der Krypta erstrahlt an der Decke der Siegesorden, der höchste militärische Orden der UdSSR. Die Kuppelhalle schmückt ein beeindruckendes farbenprächtiges, aus über 8.000 Farbtönen gestaltetes Mosaikbild von A. A. Gorpenko. Es symbolisiert unter anderem die Bewohner der 15 Sowjetrepubliken, die den Rotarmisten Lorbeerkränze überreichen. Gegenüber dem Eingang sind Marschall W. I. Tschuikow, der sich als Kommandeur der 62. Armee in der Stalingrader Schlacht auszeichnete, und Generaloberst N. E. Bersarin, der erste sowjetische Kommandant und Chef der sowjetischen Garnison Berlins, zu erblicken. Das Zentrum der Krypta bildet ein  Gedenkstein mit einer Schatulle. Sie enthält das Namensverzeichnis von ca. 7.600 in der Schlacht um Berlin gefallenen Sowjetsoldaten, die auf dem Ehrenmal beigesetzt sind. [8]

In der DDR stand das Ehrenmal Treptow unter Denkmalschutz. So war es in der zentralen Denkmalliste unter »Denkmale von besonderer nationaler und internationaler Bedeutung« aufgeführt. [9] Die jährliche Ehrung der gefallenen Sowjetsoldaten in Treptow war Bestandteil der Staatsräson. Zum Tag der Sowjetarmee am 23. Februar und dem Tag der Befreiung am 8. Mai kamen tausende Berlinerinnen und Berliner zum Treptower Ehrenmal, darunter die Partei- und Staatsführung. [10] Ehrenformationen der Sowjetarmee und der NVA beteiligten sich an der Zeremonie und legten Kränze am Hauptmonument nieder. Auf den Stufen zur Krypta bildeten die Soldaten beider befreundeter Armeen ein Ehrenspalier. [11]

Seit dem Ende der DDR erfolgt jedes Jahr am 9. Mai, am Tag des Sieges, eine feierliche Kranzniederlegung durch die russische Botschaft und andere Organisationen, darunter die Partei DIE LINKE. Diese Möglichkeit der weiteren Ehrung der Befreier ist die Folge der im Zuge der »2 plus 4«-Verhandlungen im Artikel 18 des Nachbarschaftsvertrages mit der Sowjetunion eingegangenen Verpflichtung der BRD, die durch die Sowjetunion auf deutschem Boden errichteten Kriegsgräber und Denkmäler zu erhalten, zu pflegen und zu achten. [12] So wurde zumindest der Mahnung des sowjetischen Stadtkommandanten Generalmajor A. G. Kotikow anlässlich der Enthüllung des Ehrenmals am 8. Mai 1949  Rechnung getragen: »Dieses Denkmal wird den Völkern für immer in Erinnerung bringen, wann, durch wen und um welchen Preis der Sieg errungen, das sozialistische Vaterland und das Leben der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen der Menschheit erhalten wurde. Dieses Ehrenmal ist das Symbol des Kampfes der Völker, mit der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken an der Spitze, für die souveränen Rechte der Völker, für Sozialismus und Demokratie, gegen Knechtschaft und Willkür, gegen die dunklen Kräfte der imperialistischen Reaktion und die Brandstifter eines neuen Krieges.« [13]

Anmerkungen:

[1]  Miniaturbuch Treptower Ehrenmal, 1972.

[2]  Treptower Ehrenmal. Ehrenmal Treptow. Ruhm und Ehre den Helden der Sowjetarmee, Berlin 1954, S. 2-3. Свиньин, Владимир Федорович: Сталинские премии. Две стороны одной медали, 2017. ЛАВРУК, Петр: Воин-освободитель в Трептов-парке, oursociety.ru/publ/istorija_rossii/voin_osvoboditel_v_treptov_parke/4-1-0-194, Stand 8.3.2019.

[3]  Treptower Ehrenmal.

[4]  Ehrenmal Treptow S. 7. Treptower Ehrenmal.

[5]  Ehrenmal Treptow S. 9. Treptower Ehrenmal.

[6]  Ehrenmal Treptow , S. 5 und S. 9. Treptower Ehrenmal.

[7]  ЛАВРУК, Трептов-парке. Treptower Ehrenmal. Ehrenmal Treptow, S. 17. Wehner, Günter: Geschichte der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung, 1939-1945, Berlin 1985, S. 95.

[8]  Treptower Ehrenmal. Dorst, Klaus: Kleines Lexikon Sowjetstreitkräfte Berlin1987, S. 294 und S. 47.

[9]  Gesetzblatt der DDR, Berlin 5.10.1979, Sonderdruck Nr. 1017, ddr-planungsgeschichte.de/wp-content/uploads/2016/04/zentrale-denkmalliste.pdf, Stand: 19.3.2019.

[10]  Siehe zum Beispiel: »Das Volk der DDR ehrte die Sowjetunion und ihre Helden – unsere Befreier. Feierliche Kranzniederlegung zum Tag der Befreiung am Ehrenmal in Berlin-Treptow«, Neues Deutschland 9.5.1968.

[11]  Галин, И.: ГДР - 30-летие освобождения,  www.net-film.ru/film-7637 ab 5:52 min, Stand: 26.3.2019.

[12]  Albrecht, Ulrich: Die Abwicklung der DDR. Die »2+4-Verhandlungen«. Ein Insider-Bericht, Opladen 1992,  S. 140. Hesse, Joachim Jens: Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland: Bd. 2 Materialien, Berlin 2004, S. 90.

[13]  Ehrenmal Treptow, S. 1. ЛАВРУК, Трептов-парке.

Zurück zur Übersicht