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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Im Gedenken

Dr. Günter Wehner, Berlin

 

Am 31. August 1942 erfolgte die Festnahme des Antifaschisten Harro Schulze-Boysen. Er war mit Dr. Arvid Harnack der Leiter eines weitverzweigten illegalen Netzwerkes in Berlin von 1933 bis zum Spätsommer 1942. Es gibt eine Fülle an Literatur, Ausstellungen und Filme über das illegale Wirken der Frauen, Jugendlichen und Männer um die genannten Persönlichkeiten. Dennoch bestehen erhebliche Lücken und falsche Aussagen über das illegale Netzwerk in Berlin. Prof. Dr. Johannes Tuchel hat mit seiner jüngsten im Lukas Verlag 2022 erschienenen Publikation »… wenn man bedenkt, wie jung wir sind, so kann man nicht an den Tod glauben.« über Liane Berkowitz, Friedrich Rehmer und die Wider­standsaktionen der Berliner »Roten Kapelle« notwendige Korrekturen zum illegalen Kampf der »Roten Kapelle« vorgenommen. Der Autor belegt an Hand neuester Quellen, dass die Widerständler um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack nicht über Funk die Sowjet­union vor einem drohenden Überfall des NS-Regimes warnten, sondern über Kuriere des Berliner Netzwerkes.

Dieses Netzwerk weist eine Besonderheit auf, es bestand überwiegend aus Frauen, Män­nern sowie Jugendlichen, die aus der Elite Deutschlands kamen. Das erklärt auch die Wut der NS-Führung, die in brutalster Form gegen die Berliner Antifaschisten vorging. Göring persönlich wies an, die verhafteten Widerständler vor das Reichskriegsgericht zu stellen, um sie wegen Feindbegünstigung und Landesverrat zu verurteilen. In 24 Prozessen wurden von 92 Angeklagten 49 zum Tode verurteilt und 39 langjährige Haftstrafen ausgesprochen. Es gab nur vier Freisprüche.

Im Zeitraum vom 22. Dezember 1942 bis zum August 1943 erfolgte die Ermordung der zum Tode verurteilten im Gefängnis Berlin-Plötzensee.

Johannes Tuchel: »… wenn man bedenkt, wie jung wir sind, so kann man nicht an den Tod glauben.« Liane Berkowitz, Friedrich Rehmer und die Widerstandsaktionen der Berliner Roten Kapelle. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, 486 Seiten, 200 Abb., 170 x 240 mm, Festeinband, durchgängig vierfarbig, August 2022, ISBN 978-3-86732-302-4, Preis 29,80 €.

Siehe auch www.lukasverlag.com mit »Blick ins Buch«.

 
 
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