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Mitteilungen der Kommunistischen Plattform

Ernst Thälmann in Magdeburg

Dr. Heinz Marohn, Berlin

Genosse Walter Bütow, Ehrenvorsitzender des "Verein der Thälmannwerker und Freunde e.V.", sprach in der Diskussion auf der Bundeskonferenz der Kommunistischen Plattform (14. April 07) zu "politischen Gefechten" um die Umbenennung des Bahnhaltepunktes "Magdeburg Thälmannwerk" in "Sket-Industriepark". Trotz energischen Einspruchs des Vereins und eines "Riesenkrachs" im Stadtrat ist diese Veränderung vollzogen.

Walter Bütow übergab eine Thälmann-Skulptur – gegossen in der Kunstgießerei Isenburg – für einen Ehrenplatz im Karl-Liebknecht-Haus. Nun ist der Name Ernst Thälmann in Magdeburg nicht unbekannt. Bereits zum 16. März 1925 hatten die Kommunistische Partei Deutschlands, der Rote Frontkämpferbund und der Rote Jungsturm zu einer Protestkundgebung in den "Nationalfestsälen" aufgerufen.

Der Reichstagsabgeordnete und Kandidat zur Reichspräsidentenwahl Thälmann wurde am 16. März um 7:15 Uhr vom Hauptbahnhof abgeholt und von etwa 600 Genossen und Sympathisanten zum Versammlungsort geleitet. Als erster Redner trat der Genosse Richter aus Halle auf, danach sprach der englische Kommunist Fitzgerald aus London: Er forderte die deutschen Kommunisten auf, energischer zu handeln und mehr internationale Einigkeit zu erstreben. Dann betonte Ernst Thälmann, daß nur ein kommunistischer Arbeiterkandidat für die Reichspräsidentenwahl in Frage kommen könne. Genosse Sauber aus München erklärte die Geschichtsdaten der Märzmonate und forderte zu gemeinsamen Demonstrationen aus diesen Anlässen auf. Genosse Ulrich forderte die Jugend zur Unterstützung der Kandidatur Ernst Thälmanns auf.

In einer Entschließung an die Regierung wurde die Bestrafung aller an den blutigen Vorgängen in Halle schuldigen Polizeibeamten durch ein kommunistisch-proletarisch zusammengesetztes Gericht gefordert. Ein Glückwunschbrief wurde an die Französische Kommunistische Partei gesandt. [Der Polizeipräsident Magdeburg. Tags.b.-Nr. PA I 267 17.3.1925]

Zur Wahl des Reichspräsidenten (I. und II. Wahlgang am 29. März und 26. April 1925), erhielt Ernst Thälmann im ersten Wahlgang (68,9% Wahlbeteiligung) 1.871.815 Stimmen, im zweiten (77,6% Beteiligung) 1.931.151 Stimmen. ["Staatsbürger man wirbt um Dich" Anhang. 1932 Industrieverlag Spaeth & Linde.]

Beim Mitteldeutschen Treffen der KPD und des Roten Frontkämpferbundes in Magdeburg am 2. und 3. April 1927 war Ernst Thälmann wieder dabei und wieder als Kandidat der kommenden Reichspräsidentenwahl. Dem Treffen vorausgehend fand am 1. April ein Fackelzug statt, an dem 1.120 Genossen und Sympathisierende teilnahmen. 60 Fahnen und 21 Transparente wurden mitgeführt. Auf dem Domplatz hatten sich etwa 4.000 Zuschauer eingestellt. Den anschließenden "Proletarischen Abend" in den National-Festsälen besuchten 2.500 Interessenten. Im Laufe des 2. April bis in die Morgenstunden des dritten April kamen mit Sonderzügen, auf Fahrrädern und Lastkraftwagen etwa 6.000 Teilnehmer aus Berlin, Halle, Merseburg, Leipzig, Braunschweig, Hannover, aus der Altmark und der Umgebung Magdeburgs an.

Am Tag darauf wurde gegen 7:00 Uhr in verschiedenen Stadtteilen ein Wecken durchgeführt. Eine Abordnung von 800 Genossen holte Ernst Thälmann vom Bahnhof ab. Während des Vormittags wurden mehrere Werbeumzüge durch die Stadt durchgeführt, und um 12:00 Uhr begann der Aufmarsch zur Kundgebung auf dem Domplatz, die um 16:00 Uhr beendet wurde. Ein geschlossener Vorbeimarsch aller Gruppen dauerte eine Stunde. Die Polizei hatte genau gezählt, es nahmen teil: 7.817 Männer, 1.085 Frauen und 239 Kinder. Außerdem zählte sie 56 Musikkapellen, 224 Fahnen und 40 Transparente.

Durch einen Steinwurf, anscheinend von der Eisenbahnbrücke aus, wurde ein Berliner Teilnehmer verletzt. Zu gleicher Zeit fanden in Magdeburg Stahlhelm-Schulungsvorträge und eine Bismarckfeier des Ringes der vaterländischen Verbände statt. [Staatsarchiv Magdeburg, Rep. (20 I b Nr. 1960/II Bl. 50 Findb. Nr. 210/81)]

1932, am 21. April, trat Ernst Thälmann in der Magdeburger Stadthalle auf. In seinem Referat warnte er vor dem aufkommenden Faschismus und sagte an die sozialdemokratischen Arbeiter gewandt: "Wir reichen Euch, unseren Klassengenossen, die Bruderhand, schlagt ein, und vereint zwingen wir unseren gemeinsamen Feind." [Auf einer Erinnerungstafel an der Magdeburger Stadthalle zitiert.]

An das Ergebnis der Wahl des Reichspräsidenten am 13. März 1932 will ich noch erinnern: Bei einer Wahlbeteiligung von 86,2% erhielt Thälmann fünf Millionen Stimmen = 13,2 % [Ebenda "Staatsbürger ..." Anhang.].

1951 hat Rosa Thälmann dem Schwermaschinenbau-Kombinat – das es schon lange nicht mehr gibt, 30.000 Menschen hatten hier Arbeit – den Namen "Ernst Thälmann" verliehen. Seine Tochter Irma Gabel-Thälmann weihte 1998 das Denkmal am jetzigen Standort in der Schilfbreite ein.

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