»Lasst uns auf die Jagd gehen …«

Mitteilung des Bundessprecherrates

Informationen über die Coronavirus-Pandemie überfluten unseren Alltag, und die damit verbundenen Maßnahmen lassen keine Familie unberührt. Wir alle wissen nicht, was uns noch erwartet bis zum Ende der Pandemie und vor allem danach. Dazu gibt es viele Diskussionen und auch Spekulationen. Auch wenn jetzt manche denken mögen: »Die nicht auch noch …«, möchten wir Euch erste Überlegungen des KPF-Bundessprecherrates übermitteln. Vielleicht regen diese Überlegungen zum Nachdenken an oder vermitteln das eine oder andere Argument. Selbstverständlich besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Die nachfolgenden Worte Bertolt Brechts könnten heute geschrieben worden sein: »Der Fortschritt war gewaltig. Das Elend schritt fort und der Reichtum schritt fort. Der Luxus wurde größer, ebenso die Entbehrung. Die Bildung verbreitete sich und die Verkommenheit nahm zu. Die Zivilisation breitete sich aus mit dem Imperium wie eine Seuche sich ausbreitet.«

Genau das passiert gerade. Was sich abspielt, wenn der Ausnahmezustand herrscht – und das weltweit – erleben wir in diesen Wochen. Die Pandemie existiert zweifelsfrei. Und es existiert Hysterie. Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen darüber, ob das faktische Herunterfahren beinahe jeglichen gesellschaftlichen Lebens übertrieben oder notwendig ist. Darüber wollen wir nicht spekulieren. Spekulationen heute würden es uns morgen erschweren, ernstgenommen zu werden, wenn der Gesamtprozess bewertet werden muss, der gerade abläuft, wie ein Horrorfilm. Dass die aktuelle Coronavirus-Pandemie eine völlig andere Behandlung erfährt als jede andere Pandemie der letzten hundert Jahre, und ob das angemessen ist, sollten wir also nicht zum Gegenstand unserer Beurteilung machen. Was wir allerdings beurteilen können und müssen, das ist die Fähigkeit der bürgerlichen Gesellschaft, ein solch schlimmes Geschehen im Interesse des Kapitals zu instrumentalisieren und die bürgerliche Demokratie in Windeseile außer Kraft zu setzen. Momentan darüber zu sprechen, erfordert Fingerspitzengefühl, damit wir uns nicht lächerlich machen und das Gegenteil von dem erreichen, worum es uns geht: Aufzuklären.

Wenn aber diese Periode im Wesentlichen abgeschlossen ist, ja schon auf dem Weg dahin, gilt es, genauestens zu analysieren, was wir da gerade erlebt haben und was uns in ganz anderen Zusammenhängen bevorstehen könnte. Was wir gerade erleben, ist der Ernstfall und zugleich eine Übung bisher ungeahnten Ausmaßes. Geübt wird der Ausnahmezustand. Durchgeführt wird eine sogenannte Marktbereinigung, die es im zu erwartenden Ausmaß womöglich so noch nicht gegeben hat. Ob es danach noch eine nennenswerte Mittelschicht geben wird, ist fraglich. Das ist nur eine der unabsehbaren sozialen Folgen, die sich vor unseren Augen entwickeln. Die Ärmsten, auch in den Hauptländern des Kapitals, werden noch ärmer sein; gar nicht zu reden davon, dass die humanitäre Hilfe für die mehr als 100 Millionen Menschen, die sich auf die entsprechenden UN-Organisationen verlassen müssen, existentiell gefährdet ist. 45 Millionen Menschen sind derzeit allein im südlichen Afrika von Hunger bedroht.

Schuld an all dem soll nicht der Kapitalismus sein, sondern ein Virus. Es sei Krieg, so Macron. Es ist der Krieg derer oben gegen die unten. Hendrik Leber, der Chef der Kapitalverwertungsgesellschaft Acatis Investment, erklärte im März im Focus: »Ich habe meinem Team gesagt: Lasst uns auf die Jagd gehen. Denn uns kommen reihenweise tolle Gelegenheiten entgegen.« Ein Marxist würde in diesem Kontext sagen: In der Krise nimmt die Kapitalkonzentration zu. Und ein Marxist weiß: Die Folgen dieses ungeheuren Crashs werden auf die Lohnabhängigen abgewälzt und auf diejenigen, die nicht einmal mehr ihre Arbeitskraft verkaufen können. Das, was wir gerade durchleben, was die Menschheit durchlebt, wird ungezählte Menschen sensibilisieren. Darauf müssen wir uns vorbereiten, wir, die Mitglieder der Partei DIE LINKE, wir, die Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei.

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