Zum Hauptinhalt springen

Einfach unerträglich

Erklärung der KPF zur Behinderung der russischen Delegation bei der Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Buchenwald

 

Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Europa 93.941 US-amerikanische Kriegsgefangene in einem System von fast 100 Lagern, verteilt über Deutschland und das deutsch besetzte Gebiet, gefangen gehalten, von denen 92.820 überlebt haben.

Man stelle sich für einen Moment folgendes vor: Diplomaten der US-Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland beabsichtigen, eines der Kriegsgefangenenlager zu besuchen, in denen US-Soldaten, die gegen den Faschismus gekämpft hatten, litten und umkamen. Ihnen wird mitgeteilt, die Teilnahme US-amerikanischer Diplomaten an offiziellen Veranstaltungen der Gedenkstätte sei unerwünscht. Der Grund: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran.

Warum eigentlich ist ein solcher Vorgang absolut unvorstellbar, während zugleich folgender der bundesrepublikanischen »Normalität« entspricht?

Am 12. April 2026 wurde seitens der Vertreter der Gedenkstätte Buchenwald der Versuch unternommen, zu verhindern, dass russische Diplomaten Kränze und Blumen im ehemaligen Konzentrationslager niederlegen. Dies geschah unter Verweis auf eine zuvor übermittelte Mitteilung, wonach die Teilnahme russischer Botschaftsvertreter an offiziellen Veranstaltungen der Gedenkstätte unerwünscht sei. Die Delegation der Botschaft wurde aufgefordert, das Gelände zu verlassen.

Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager in Nazi-Deutschland. Häftlinge aus der Sowjetunion und aus europäischen Ländern wurden dort unter grausamen, unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Viele von ihnen wurden auf barbarische Weise ermordet. Daran, dass das deutsch-faschistische Mordsystem zerschlagen wurde, hatte die Rote Armee den entscheidenden Anteil.

Dass, nachdem die absurden Forderungen der Gedenkstättenmitarbeiter zurückgewiesen worden waren, die Ehrung der in Buchenwald inhaftierten und ermordeten sowjetischen Häftlinge durch die Diplomaten der russischen Botschaft letztlich dennoch stattfand, gemeinsam mit deutschen Aktivisten, macht den beschämenden Skandal dessen, was der Ehrung vorausging, nicht ungeschehen.

Kehren wir zu der Frage zurück, warum ein solcher Skandal undenkbar wäre, handelte es sich um Vertreter des US-Imperiums, welches seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges an mehr als 160 Kriegen und militärischen Interventionen beteiligt war. Allein der Vietnamkrieg forderte 1 bis 3 Millionen Menschenleben.

Eine Antwort auf diese Frage umfasst mindestens zwei Aspekte: Zum einen benötigt ein Feindbild, wer die Bevölkerung kriegstüchtig machen will, Milliarden in die Hochrüstung investiert und deshalb nicht mehr die Mittel hat bzw. haben wird, bestimmte soziale Standards auch nur halbwegs zu erhalten. Der Feind ist hierzulande seit weit über hundert Jahren immer »Der Russe«. Aus dem Krieg in der Ukraine wird abgeleitet, schon bald griffe »Der Russe« an. Das ist die neue Bedrohungslüge, die der fröhliche Urständ feiernde deutsche Militarismus für sein verheerendes Agieren benötigt.

Zum anderen hat gerade der deutsche Militarismus, der – wenn auch nicht offen auftrumpfend – zu keiner Zeit verschwunden war, seine monströsen Verbrechen in zwei Weltkriegen nie ehrlich bereut und seine Niederlagen nie moralisch verkraftet. Und nun endlich scheint die Zeit gekommen zu sein, in der man sich zum Richter über Nachfahren derjenigen machen kann, die mit 27 Millionen Toten die Hauptlast im Kampf gegen den Faschismus trugen. Das ist einfach unerträglich.

Wehren wir uns gegen die kriegstüchtig machende Bedrohungslüge und die untrennbar mit ihr verbundene Russophobie.